Londoner Museum Leiche soll in Glasvitrine verwesen

Museumsbesucher in London sollen schon bald einer Leiche beim Verwesen zuschauen können. Die makaberen Pläne des Wissenschaftsmuseums dürften für noch heftigere Proteste sorgen als jüngst die Plastinator-Schau "Körperwelten"


Leiche: "Verwesen wie unter der Erde"
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Leiche: "Verwesen wie unter der Erde"

Heutzutage müssen auch Museen sehen, wo sie bleiben. Mit ein paar ausgestopften Pinguinen lockt man niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Es muss schon ein bisschen spektakulärer sein - vielleicht ein bisschen Sex oder aber was mit Leichen. Der Plastinator Gunther von Hagens hat es mit seiner umstrittenen Leichenschau vorgemacht - die Leute kamen zu Tausenden, um die präparierten Leichen anzuschauen - die wie sich später herausstellte, teilweise auf dubiose Weise beschafft wurden.

Nicht nur in Deutschland, auch in London war das Totenkabinett ein Renner: Rund eine halbe Millionen Briten sahen die plastinierten Körper im Jahr 2002. Was dieser seltsame deutsche Beuys-Wiedergänger kann, das können wir schon lange, sagte man sich im Londoner Wissenschaftsmuseum und legte noch einen drauf. Der Leiter der Besucherabteilung, Ben Gammon, kündigte eine öffentliche Leichenverwesung an.

Der tote Körper soll in einem nur für Erwachsene reservierten Museumsbereich in einem Glaskasten ausgestellt werden - seiner Verwesung können die Besucher dann quasi zuschauen. "Die Idee ist, dass die Leiche auf ähnliche Weise verwest, wie sie es unter der Erde tun würde", sagte Gammon der Zeitung "Sunday Times".

Plastinator Gunther von Hagens: Bald Konkurrenz aus London?
DDP

Plastinator Gunther von Hagens: Bald Konkurrenz aus London?

Er erklärte, dass dafür die Leiche eines Menschen verwendet werde, der sein Einverständnis gegeben habe, seinen Körper für eine Ausstellung über den Tod zur Verfügung zu stellen. Ein Fernsehsender soll bereits Interesse signalisiert haben, den Verwesungsprozess zu dokumentieren. Ob die Ausstellung tatsächlich zustande kommt, ist jedoch unklar: Das Museum berät derzeit noch mit Pathologen, Ethikern und anderen Experten über die praktische Umsetzung.



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