Neue Vorwürfe gegen LPT Tierversuchslabor soll Krebsstudien manipuliert haben

Das umstrittene Tierversuchslabor LPT soll laut einem Medienbericht heimlich in Tests verstorbene Affen ausgetauscht haben. Ehemalige Mitarbeiter erheben zudem erneut den Vorwurf der Tierquälerei.

Affe im Tierversuch im Labor von LPT: Tattoonummer ausgeschnitten
SOKO Tierschutz e.V./ SOKO Tierschutz/ crueltyfree int/ obs

Affe im Tierversuch im Labor von LPT: Tattoonummer ausgeschnitten


Gegen ein Tierversuchslabor in Norddeutschland gibt es neue, schwerwiegende Vorwürfe. Nach Angaben zweier ehemaliger Mitarbeiter des Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Neu Wulmstorf bei Hamburg sollen dort bereits vor Jahren Studien manipuliert und Tiere gequält worden sein. Das berichtet der MDR in seinem Politikmagazin "Fakt".

Demnach wurden bei Studien zu Wirkstoffen gegen Krebs eingesetzte und während des Versuchs verstorbene Affen heimlich durch neue Primaten ersetzt. Um den Tod der Tiere zu verschleiern, sei die Tattoonummer, die sich im Brustbereich der Tiere befindet, ausgeschnitten und nach dem Ende der Studie nachträglich zu den Organen des ersetzten Tieres gelegt worden.

Mit dem Verfahren der Tattoonummer sollen die Tiere identifiziert werden können. Versuchstierorgane müssen nach solchen Testreihen bis zu 15 Jahre gelagert werden. Doch laut den Vorschriften dürfen Daten von während des Versuchs verstorbenen Tieren nicht verwendet werden oder müssen gemeldet werden. Die Daten zu der Studie, bei der Zytostatika getestet wurden, die das Wachstum von Krebszellen hemmen, wären also eigentlich unbrauchbar.

Zudem hätten sich die Affen während der gesamten Versuchsreihe in einem sehr schlechten Zustand befunden, beklagt ein ehemaliger Mitarbeiter, der von 2003 bis 2005 bei LPT gearbeitet haben soll. Durch hohe Dosierungen des Teststoffs hätten einige der Tiere unter offener Haut gelitten.

Ähnliche Vorwürfe sind gegen das Unternehmen schon seit Oktober bekannt (mehr dazu lesen Sie hier.) Ein Mitarbeiter der Organisation "Soko Tierschutz" hatte monatelang undercover bei LPT gearbeitet und die Tierversuche dokumentiert. Die Tierschützer werfen dem Labor unter anderem vor, die Tiere in zu kleinen Käfigen gehalten und sich selbst überlassen zu haben. Schon damals wurde über einen möglichen Austausch der Versuchstiere berichtet.

Nachdem heimlich aufgezeichnete Bilder und Videos veröffentlicht wurden, ermittelte die Staatsanwaltschaft Stade wegen Tierquälerei. Am Montag durchsuchten Ermittler zusammen mit Mitarbeitern des Veterinäramtes Firmenräume von LPT.

Bereits nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe hatten sich Experten gegenüber dem SPIEGEL geäußert und berichtet, dass das Labor in der Branche seit Jahren einen schlechten Ruf habe und für seine Intransparenz bekannt sei.

LPT hatte die Vorwürfe abgestritten. Auf eine Anfrage des SPIEGEL zu den Vorwürfen der Tierquälerei antwortete das Unternehmen mit Hinweis zu den laufenden Ermittlungen nur mit allgemeinen Angaben zu ihrer Tätigkeit bei Arzneimittelstudien. Inzwischen wurde aber bekannt, dass das Labor Ende Februar 2020 geschlossen wird.

LPT gilt als eines der größten privaten Labore Deutschlands. Rund 175 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen an mehreren Standorten. Die Firma erhält Aufträge von Pharma- und Chemieunternehmen, um beispielsweise gesetzlich vorgeschriebene Giftigkeitsprüfungen für Chemikalien durchzuführen.

In Deutschland wurden zuletzt 740.000 Tiere für wissenschaftliche Zwecke getötet. Weitere gut zwei Millionen wurden in Tierversuchen eingesetzt. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017. Neuere Daten liegen bislang nicht vor. Seit 2014 ist die Zahl der Tiere, die in wissenschaftlichen Untersuchungen eingesetzt und für die Wissenschaft getötet wurden von 3,3 Millionen auf zuletzt 2,8 Millionen gesunken. Vergleiche mit früheren Jahren sind nicht möglich, da zwischenzeitlich die Zählweise geändert wurde.

joe/jme/koe



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