Nach Undercoveraufnahmen Tierversuchslabor wird Anfang 2020 geschlossen

Nach Vorwürfen der Tierquälerei stellt das umstrittene Tierversuchslabor in Neu Wulmstorf bei Hamburg seine Arbeit ein. Eine Affenstudie soll laut einem Medienbericht aber noch abgeschlossen werden.

LPT in Neu Wulmstorf: Affen sollen in zu kleinen Käfigen gehalten worden sein
Bodo Marks/ DPA

LPT in Neu Wulmstorf: Affen sollen in zu kleinen Käfigen gehalten worden sein


Das Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Neu Wulmstorf bei Hamburg hat sich mit den zuständigen Behörden darauf geeinigt, seine Tierversuche an Hunden, Katzen und Affen bis spätestens Ende Februar 2020 zu beenden. Das berichtet der NDR unter Berufung auf ein internes Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Den Informationen zufolge soll das Labor am 29. Februar 2020 geschlossen werden.

Vorher wolle LPT noch eine Affenstudie für das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck abschließen, teilte der "NDR" mit und stützte sich auf Informationen der Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz". Merck bestritt am Mittwoch, dass es sich um eine Primatenstudie handelt und betonte, dass die Firma künftig nicht mehr mit LPT zusammenarbeiten werde. LPT arbeitet für Firmen weltweit und führt für sie unter anderem gesetzlich vorgeschriebene Giftigkeitstests von Chemikalien durch.

Unter Fachleuten hatte das Labor der LPT in Neu Wulmstorf seit Jahren einen schlechten Ruf, wie Experten dem SPIEGEL berichteten. Im Oktober 2019 war die Einrichtung nach heimlichen Aufnahmen eines Aktivisten der "Soko Tierschutz" in Neu Wulmstorf unter Druck geraten. Das ARD-Magazin "Fakt" hatte das Material ausgestrahlt, die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt.

Den Anschuldigungen der Tierschützer zufolge wurden Affen in dem Labor in zu kleinen Käfigen gehalten und Hunde nach Versuchen sich selbst überlassen. In einer Versuchsreihe soll zudem ein verstorbener Affe durch ein anderes Tier ausgetauscht worden sein, ohne dies zu dokumentieren. Der Versuch konnte somit keine verlässlichen Erkenntnisse liefern und war damit wertlos. (Mehr zu den Vorwürfen lesen Sie hier.)

Dem medialen Druck nicht standgehalten

Am Freitag hat ein Tierhändler aus den Niederlanden laut NDR bereits 76 Affen aus dem Labor in Neu Wulmstorf abgeholt. LPT hat in Deutschland außerdem Labore in Hamburg-Neugraben und in Löhndorf in Schleswig-Holstein. Als Grund für die Schließung am Standort Neu Wulmstorf nennt das LPT laut einem Bericht des MDR, dass die Kontrollbehörden dem medialen Druck nicht standgehalten hätten.

Tierschutzorganisationen fordern derweil, alle Labore der LPT zu schließen. Sie demonstrieren seit Bekanntwerden der Vorwürfe verstärkt gegen Tierversuche und haben weitere Aktionen angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: Wie haben das Statement der Firma Merck nachträglich ergänzt.

jme

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