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01. Dezember 2016, 14:25 Uhr

Menschenvorfahr

Lucy hatte Armknochen wie ein Schimpanse

Wie lebten die Vorfahren der Menschen vor 3,2 Millionen Jahren? Häufig auf Bäumen, zeigt eine Knochenanalyse. Das bot Schutz, war aber auch nicht ohne Risiko.

Das mehr als drei Millionen Jahre alte Fossil Lucy gilt als bekanntester Vorläufer des Menschen - Lucys Lebensstil unterschied sich aber deutlich von dem der heutigen Menschheit. Auf Grundlage von Untersuchungen der Knochenstrukturen kamen Paläontologen zu dem Schluss, dass Lucy mindestens ein Drittel des Tages in Bäumen gelebt hat und dort auch schlief.

Dass Lucy auf Bäumen lebte, vermuten die Forscher schon länger. Im August 2016 veröffentlichten sie eine Studie, nach der Lucy durch einen Sturz von einem Baum gestorben sein könnte. Insgesamt ist allerdings umstritten, wie viel Zeit die Art Australopithecus afarensis kletternd verbracht hat.

Use it or lose it

Für die aktuelle Studie, die im Fachjournal "Plos One" veröffentlicht wurde, fertigten die Forscher mehr als 35.000 Aufnahmen aus modernen Scanner-Untersuchungen von Lucys Knochen an. Die hochauflösenden Bilder machten die Dichte und die internen Strukturen der Knochen deutlich, was wiederum Rückschlüsse auf die Beanspruchung bestimmter Gliedmaßen zuließ. Denn die Knochendichte wächst oder verringert sich im Laufe eines Lebens, je nachdem, wie stark die Körperteile genutzt werden.

Demnach hat Lucy in besonderem Maße ihre Arme eingesetzt, was sich die Forscher dadurch erklären, dass sie diese zum Klettern auf Bäume einsetzte. Die Strukturen der Armknochen glichen jener der Schimpansen von heute.

Jede Nacht acht Stunden im Baum

"Die oberen Gliedmaßen der Schimpansen sind sehr stark gebaut, weil sie die Arme zum Klettern brauchen", erklärte einer der Studienautoren, Christopher Ruff von der Johns-Hopkins-Universität. "Bei den Menschen ist das genau umgekehrt: Bei ihnen sind die unteren Gliedmaßen stärker ausgeprägt, weil sie mehr Zeit mit Laufen verbringen."

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Lucy jede Nacht mindestens acht Stunden in Bäumen verbrachte, um sich beim Schlafen vor Beutejägern zu schützen.

Das ungewöhnlich gut erhaltene Skelett von Lucy war 1974 in Äthiopien entdeckt worden. Danach galt sie als "Urmutter der Menschheit". Im Jahr 1994 wurde dann aber Ardi entdeckt, das mit 4,5 Millionen Jahren noch ältere Fossil eines Menschenvorläufers.

jme/AFP

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