Unbekannter Brief von Ludwig II. War der Bayernkönig etwa doch nicht irre?

"Wie kann eine solche Infamität nur möglich sein!!" - In seinem wohl letzten Brief klagt der berühmte Bayernkönig Ludwig II. über eine Verschwörung gegen ihn.
Gemälde von König Ludwig II.

Gemälde von König Ludwig II.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Der möglicherweise letzte Brief des Bayernkönigs Ludwig II. nährt Zweifel an der Theorie vom verrückten "Kini". Der CSU-Politiker Peter Gauweiler präsentierte das Schreiben anlässlich des 171. Geburtstags von Ludwig II., wie die "Welt" berichtet. Gauweiler müht sich seit langem, die Ehre des Königs wiederherzustellen .

Danach ist der Brief vom 10. Juni 1886, der der Öffentlichkeit bisher unbekannt war, an Ludwigs Vetter Prinz Ludwig Ferdinand gerichtet - der "vermutlich letzte eigenhändige Brief des Monarchen", wie die Zeitung schreibt.

Besondere Bedeutung erhält der Brief laut Gauweiler, weil er belege, dass der König geistig klar genug war, die ihm drohende Gefahr zu erkennen. Er habe wohl geahnt, dass er abgesetzt werden sollte.

Am 9. Juni 1886 wurde Ludwig II. entmündigt, am 13. Juni ertrank er im Starnberger See. Um die Umstände seines Todes - ob es Suizid war oder nicht - ranken sich viele Gerüchte.

In dem nun aufgetauchten Brief schreibt Ludwig unter anderem an seinen Vetter, er sehe eine "schändliche Verschwörung! Wer kann nur hinter einem solchen Verbrechen stecken, Prz. Luitpold vermuthlich". Und weiter: "Wie kann aber eine solche Infamitität nur möglich sein!!"

Zwei Theorien

Ludwig erwähnt darin auch die Gerüchte um seinen Gesundheitszustand ("angebliche Krankheit"), "an der nicht eine Sylbe wahr ist".

Die vorherrschende Theorie über den plötzlichen Tod des Königs geht so: Immer mehr Geld aus der schon fast leeren bayerischen Staatskasse wollte Ludwig II. für seine Prunkbauten verschleudern, zu denen auch das Schloss Neuschwanstein gehört. Deshalb planten Minister des bayerischen Kabinetts, den Regenten entmündigen zu lassen.

Der Irrenarzt Bernhard von Gudden erklärte ihn für geisteskrank. Ludwig wählte daraufhin, wohl auch in einem Anfall geistiger Umnachtung, den Tod am Seegrund. Und den Irrenarzt riss er dabei mit in die Fluten des Sees.

Andere Forscher aber beziehen sich auf Berichte über angebliche Schüsse am Ufer. Ihre Theorie: Widersacher des Königs im bayerischen Kabinett sollen zwei Heckenschützen angeheuert haben - denn ein lebender Ex-König wäre für seine Gegner womöglich noch einmal gefährlich geworden.

Die Schützen sollen sich im Bootshaus am See auf die Lauer gelegt und den Irrenarzt Gudden als unliebsamen Zeugen gleich mit umgebracht haben .

Der Brief an den Vetter des Königs, Prinz Ludwig Ferdinand, im Wortlaut:

"Theuerster Vetter! Vergib die schlechte Schrift, ich schreibe dieß in höchster Eile. Denke was Unerhörtes heute geschehen ist!! - Diese Nacht kam eilends einer vom Stallgebäude herauf u. meldete, es wären mehrere Menschen (darunter horribile dictu) ein Minister u. eine meiner Hofchargen in aller Stille angekommen, befahlen meinen Wagen u. Pferde hier (von der oberen Burg) wegzunehmen hinter meinem Rücken u. wollten mich zwingen nach Linderhof zu fahren, offenbar u. mich dort gefangen zu halten, u. Gott weiß was wohl zu thun, Abdankung zu ertrotzen kurz eine schändliche Verschwörung! Wer kann nur hinter einem solchen Verbrechen stecken, Prz. Luitpold vermuthlich.

Durch Gensdarme u. Feuerwehr, die sich tapfer entgegenstemmen ward dieß vorläufig vereitelt. Die Schand-Rebellen wurden arretirt. Behalte dieß Alles bitte vorläufig für Dich. Wie kann aber eine solche Infamität nur möglich sein!! Bitte forsche selbst u. durch Andere Verläßige darauf!

Hättest Du so etwas für möglich! gehalten. Schon früher schrieb ich Dir daß ich über absichtlich mit Geld herumgestreute Gerüchte über mich (angebliche Krankheit) an der nicht eine Sylbe wahr ist p) gehört habe. Es ist zu arg. Es muß Licht in diesen Abgrund von Bosheit kommen! In felsenfestem Vertrauen u. inniger Liebe

Dein getreuer Vetter Ludwig

Hohenschw. 10. Juni 86

Ergänzung mit Bleistift: Dieser Abschaum von Bosheit mich nächtlich überfallen u. gefangen nehmen zu wollen!!!"

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boj/dpa