Luftmessung Madrid und Barcelona atmen Drogen
Madrid - Wer durch Madrid und Barcelona flaniert, inhaliert nicht nur Sauerstoff und Kohlendioxid, sondern auch Rauschgift. In der Luft beider Metropolen ist Kokain die vorherrschende Droge, wie aus einer Studie des spanischen Forschungsinstituts CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) hervorgeht. Mit einer neuen Methode zum Aufspüren von Drogen in der Luft haben die Forscher zwischen 29 und 850 Pikogramm Kokain pro Kubikmeter Luft nachgewiesen. Bei den Messungen stellte sich zudem heraus, dass die Kokain-Konzentration am Wochenende höher lag als unter der Woche.
Die festgestellten Mengen sind allerdings kein Grund für Furcht vor einem Dauerrausch - sondern beweisen, wie empfindlich Hightech-Messmethoden inzwischen geworden sind: ein Pikogramm ist ein Billionstel-Gramm. Selbst wenn man 1000 Jahre lebte, würde die mit der Luft eingeatmete Menge Kokain noch unter der durchschnittlichen Einzeldosis eines Drogenkonsumenten liegen, sagte CSIC-Wissenschaftlerin Miren Lopez de Alda.
Ihr Kollege Xavier Querol betonte, die Resultate seien nicht repräsentativ für die beiden Städte als ganze: Es sei bislang nur an "zwei ganz bestimmten Orten gemessen worden, von denen wir wussten, dass in der Gegend Rauschgift konsumiert wird".
In den vergangenen Jahren konnten Forscher beeindruckende Erfolge beim Nachweis von Drogenkonsum-Spuren in der Umwelt vorweisen. 2005 entdeckte ein Team des Nürnberger Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) im Wasser aus deutschen Flüssen beeindruckende Mengen des Kokain-Abbauproduktes Benzoylecgonin. Allein am Rhein, so die damalige Hochrechnung, wird jedes Jahr Kokain im Wert von 1,6 Milliarden Euro konsumiert. Im Jahr darauf wurde die Methode auf die USA und einige europäische Länder ausgeweitet - und wieder machten die Experten reiche Beute im Flusswasser.