Machu Picchu Inka-Juwel steht vor dem Absturz

Mehr als 1000 Besucher pro Tag hat die beeindruckende Festung Machu Picchu in den peruanischen Anden vergangenes Jahr angelockt. Doch die Inkas haben offensichtlich auf Sand gebaut.


Die Erde unter der 2550 Meter hoch, auf einem eingeebneten Bergsattel gelegenen Inka-Stadt ist in Bewegung. Sie kann jederzeit ins Rutschen kommen. Das zumindest glauben einem Bericht des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" zufolge japanische Geologen.

Gefährliche Verwerfung: Mehrere Gebäude der Inka-Stadt Machu Picchu weisen japanischen Forschern zufolge bereits Schäden auf
AP

Gefährliche Verwerfung: Mehrere Gebäude der Inka-Stadt Machu Picchu weisen japanischen Forschern zufolge bereits Schäden auf

Die Forscher haben den hinteren Hang der 500 Jahre alten Anlage untersucht und festgestellt, dass die Erde um einen Zentimeter pro Monat absackt. "Das ist wirklich schnell", sagt Kyoji Sassa von der Universität von Kyoto. "Und es ist der Vorbote eines größeren Erdrutsches." Als nächstes soll untersucht werden, wann genau der Hang ins Rutschen kommt.

Sassa und sein Team befürchten, dass durch abrutschende Erdmassen die gesamte Inka-Festung zerstört werden könnte. "Es läuft eine Bruchlinie von Nord nach Süden quer durch die Zitadelle", so der Geologe im "New Scientist". Gebäude entlang der Verwerfung zeigten bereits erste Schäden.

Peruanische Regierungsvertreter bestreiten dagegen jegliche Gefahr. Zwar gebe es in bestimmten Gebiete Erdrutsche, das sei während der Regenzeit allerdings völlig normal. Das Unesco-Weltkulturerbe werde deshalb rund um die Uhr durch seismologische Messinstrumente überwacht. Bislang seien weder Vorboten eines Erdrutsches noch Hinweise auf eine andere akute Gefahr entdeckt worden.

Machu Picchu, zu Beginn des 15. Jahrhunderts von den Inkas angelegt, zählt zu den größten Touristenattraktionen Südamerikas. Rund 500 Kilometer südlich der peruanischen Hauptstadt Lima inmitten dichten Dschungels gelegen, wurde das Heiligtum erst 1911 vom US-Forscher Hiram Bingham entdeckt.

Um der Touristenmassen Herr zu werden, hat die peruanische Regierung erst kürzlich harte Schritte eingeleitet. So soll ab April der Eintritt auf 42 Mark verdoppelt werden. Gleichzeitig dürfen sich täglich nur noch 500 Besucher innerhalb der gewaltigen Felsmauern umsehen.



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