Kindergarten-Studie So weit sind Mädchen Jungen voraus

Essen, Anziehen, aufs Töpfchen gehen: Zweijährige Mädchen erledigen solche Aufgaben deutlich selbstständiger als Jungen, berichten norwegische Forscherinnen. Vor allem in einem Bereich sind die Unterschiede eklatant.
Kinder in einer Tagesstätte: Gute Sprachkenntnisse fördern die soziale Kompetenz

Kinder in einer Tagesstätte: Gute Sprachkenntnisse fördern die soziale Kompetenz

Foto: Patrick Pleul/ dpa

"Wir haben Unterschiede erwartet, waren aber überrascht, dass sie so groß sind", sagt Aud Toril Meland von der Universität Stavanger. Zusammen mit zwei Kolleginnen hat sie 535 Jungen und 509 Mädchen im Alter von 30 bis 33 Monaten drei Monate lang begleitet. Die Forscherinnen wollten herausfinden, ob Jungen und Mädchen unterschiedlich schnell selbstständig werden.

Kindergartenpersonal dokumentierte, wie die Zweijährigen sich im Alltag verhielten - mit eindeutigem Ergebnis: Als Kleinkinder zwischen 30 und 33 Monaten können demnach nicht nur mehr Mädchen alleine essen und sich anziehen. Sie sind auch sozialer als Jungen in dem Alter, berichten die Wissenschaftlerinnen im Fachmagazin "Early Childhood Educational Journal" .

Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern fanden sie beim Toilettengang. Während mehr als jedes fünfte Mädchen (21 Prozent) keine Windeln mehr trug und Bescheid sagen konnte, wenn es zur Toilette musste, waren es bei den Jungen nur 8 Prozent.

Mehr als zwei Drittel der Mädchen (68 Prozent) zeigten zudem Interesse daran, ein Klo zu benutzen, während das nicht einmal jeder zweite Junge tat (42 Prozent).

Ausgeprägtes Sozialverhalten bei Mädchen

Fast zwei Drittel der Mädchen konnten schon alleine essen und trinken, wohingegen das nur bei knapp der Hälfte der Jungen der Fall war.

Auch beim Sozialverhalten hatten die Mädchen die Nase vorn: Sie machten häufiger bei Spielen im Kindergarten mit und interagierten mehr mit Gleichaltrigen.

"Soziale Fähigkeiten und Alltagsaktivitäten hängen zu einem großen Teil mit dem Sprachverständnis, motorischen Fähigkeiten und Selbstregulierung von Kindern zusammen", sagt Meland. "Gut ausgeprägte Sprachkenntnisse könnten dazu beitragen, dass Mädchen ihre Bedürfnisse besser zum Ausdruck bringen können."

Wer hat es finanziert?

Die Untersuchung ist Teil einer großen Longitudinalstudie der Universität Stavanger: "The Stavanger Project - The Learning Child". Das Projekt findet in Kooperation mit dem Nationalen Zentrum für Lesen, Bildung und Forschung, dem Lesezentrum der Universität Stavanger und der Kommune Stavanger statt. Außerdem wird das Projekt von der Europäischen Kommission unterstützt.

Allerdings gaben die Forscherinnen zu bedenken, dass die Kindergarten-Betreuung in Norwegen größtenteils in Frauenhand ist, diese stellen rund 93 Prozent des Personals. Das könne die Beobachtungen, auf die sich die Studie unter anderem stützt, beeinflusst haben.

So lief die Studie ab

jme/dpa
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