Ländervergleich Wo Männer am meisten im Haushalt machen

Männer weltweit beteiligen sich heute deutlich mehr an der Hausarbeit als noch vor 50 Jahren. Allerdings klappt das in manchen Ländern besser als in anderen. Hier die Übersicht.

Mann in der Küche
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Mann in der Küche

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Wer macht wie viel im Haushalt. Über dieses Thema streiten viele Paare. Die klassische Rollenverteilung ist klar: Die Frau kümmert sich ums Putzen, Kochen und Bügeln, der Mann geht arbeiten. Zeitgemäß ist das nicht mehr. Und doch erledigen in den meisten Partnerschaften bis heute die Frauen den Großteil der Hausarbeit, zeigt eine Studie im Fachmagazin "Demographic Research". Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer.

Evrim Altintas und Oriel Sullivan von der University of Oxford haben Daten aus 66 Zeitnutzungsbefragungen in 19 unterschiedlichen Ländern ausgewertet. Sie verglichen, wie viel Zeit Männern und Frauen in unterschiedlichen Jahrzehnten mit Hausarbeit verbrachten und wie sich das Verhältnis in den letzten 50 Jahren verändert hat.

"Es gibt grundsätzlich eine Bewegung in Richtung Gleichberechtigung", schreiben die Forscher. Allerdings seien das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Veränderungen je nach Land unterschiedlich.

Frauen in Deutschland verbringen drei Mal mehr Zeit mit Hausarbeit als Männer

In Italien übernahmen die Frauen im Ländervergleich über den gesamten Zeitraum einen besonders großen Teil der Hausarbeit, während sich ihre Männer zurückhielten. So ergaben Daten aus dem Jahr 1980, dass die Frauen pro Tag 4 Stunden und 20 Minuten in Hausarbeit investierten. Immerhin das 15-fache der gerade mal 17 Minuten, auf die ihre Männer kamen - siehe folgende Grafik.

Bis zum Jahr 2008 verringerte sich das Ungleichgewicht. Im Ländervergleich schneiden die Italiener in Sachen Gleichberechtigung im Haushalt aber immer noch schlecht ab: Fünf Mal mehr Zeit verbringen die Frauen im Vergleich zu den Männern mit Putzen, Kochen und Bügeln.

Für Deutschland liegen Daten aus den Jahren 1965, 1991 und 2001 vor. Demnach verbrachten die Frauen hierzulande in den Sechzigern 14 Mal mehr Zeit mit Putzen, Bügeln und Kochen als die Männer. Anfang der Neunziger und Nullerjahren war es gut drei Mal mehr (siehe Grafik oben). In absoluten Zahlen: 1965 putzten, bügelten und kochten die Frauen in Deutschland im Schnitt vier Stunden täglich, die Männer 17 Minuten. 2001 waren es 2,5 Stunden bei den Frauen und 49 Minuten bei den Männern.

Vorbild Skandinavien

Am besten funktioniert die Gleichberechtigung im Haushalt laut der Studie in Nordeuropa. Frauen in Norwegen, Finnland und Dänemark verbringen laut den jeweils neusten Daten aus ihrem Land täglich etwa doppelt so viel Zeit mit Hausarbeit wie ihre Männer. In Norwegen investieren Frauen beispielsweise 2,5 Stunden am Tag in den Haushalt, die Männer gut eine Stunde und zehn Minuten.

Das zeige, dass familienfreundliche Politik, mit guter Kinderbetreuung, wie sie in Skandinavien üblich ist, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen fördert, interpretieren Altintas und Sullivan das Ergebnis. Denn solange der Mann der Hauptverdiener sei, falle der Frau oft automatisch mehr Hausarbeit zu.

Tief verwurzelte Rollenbilder aufbrechen

Ganz auflösen kann aber auch die familienfreundliche Politik in Skandinavien die Ungleichheiten bislang nicht. Dafür brauche es mehr, glauben die Forscher. Gesellschaftliche Konventionen müssten sich noch weiter verändern und das jeweilige Rollenbild tiefgreifend angepasst werden. Wie schwer das ist, zeigt die Statistik ebenfalls.

So beobachteten die Forscher zwar, dass die Männer ihren Anteil an der Hausarbeit insgesamt über die Jahrzehnte erhöht haben. Allerdings scheint sich in einigen Ländern eine Sättigung einzustellen. In Staaten, in denen sich die Männer bereits vergleichsweise intensiv an der Hausarbeit beteiligen, nimmt ihr Engagement nicht mehr nennenswert zu. Dazu zählen neben den Ländern in Skandinavien etwa die USA, Kanada und Australien.

Nötig seien daher, zusätzlich zum politischen Willen, Veränderungen im Denken der Menschen, etwa eine offenere Einstellung gegenüber einem gleichberechtigten Lebensstil bei Arbeitgebern und in der Gesellschaft insgesamt.



insgesamt 192 Beiträge
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der_helge 08.09.2016
1. nur die halbe Wahrheit
mal wieder wird, trotz der positiven Entwicklung, der Eindruck erweckt, Männer würden sich vor der Hausarbeit drücken. Ist doch Quatsch. In einer modernen und gleichberechtigten Gesellschaft zählt die sinnvolle Aufteilung aller für die Lebensführung notwendigen Aufgaben, lso dass unter dem Strich eine Gleichverteilung vorliegt. In desem Zusammenhang fehlt hier die Betrachtung, in wiefern sich ggf. ein Ungleichgewicht zu ungunsten der Männer manifestiert, wenn man andere Lebensführungsaufgaben betrachtet, wie etwa die Instandhaltung von Wohnraum, Beschaffung, Wartung, Reparatur von Fahrzeugen und Geräten, Gartenpflege und der gleichen mehr, sowie die Ausführung körperlich schwererer Arbeiten. Was soll also dieses ungerechtfertigte Einreden von schlechtem Gewissen? Wem soll diese Statistik helfen?
ulimolly45 08.09.2016
2.
Männer und Frauen sollten das individuell in ihren Beziehungen so regeln, dass sie damit zufrieden sind. egal, ob das Soziologen, Politikern oder anderen Leuten passt.
wanderer777 08.09.2016
3. Hmm
Wo wir schon beim Aufbrechen von Rollenbildern sind: mich würde interessieren, in welchen Ländern die meisten Frauen auf dem Bau arbeiten oder sonst ihr Geld mit harter, körperlicher Arbeit verdienen. Oder wo auch mal dem Mann ein Strauss Blumen geschenkt wird. Einfach so. Oder wo Frauen nicht immer nach einem Arbeitssklaven (Mann) rufen, wenn ein Schrank getragen, ein Auto repariert oder eine Lampenfassung montiert werden müssen. Ja, Emanzipation gilt eben für beide Geschlechter.
crazy_swayze 08.09.2016
4.
Warum ist es ein Zeichen mangelnder Gleichberechtigung, wenn die Frau zu Hause bleibt und Hausarbeiten erledigt, und der Mann arbeitet? Das nennt man Arbeitsteilung. Warum ist diese Absprache zwischen Partnern weniger wert als wenn beide arbeiten gehen und beide den Haushalt führen?
schgucke 08.09.2016
5. Helfen ist nicht machen
"Im Haushalt helfen" klingt immer danach, den Kinder langsam beizubringen, dass Sauberkeit oder Essen nicht von allein entstehen. "Bring mal den Müll raus". Es geht doch hier eigentlich um Partner auf Augenhöhe. Das Ziel ist erst erreicht, wenn von Jedem selbstständig erkannt wird, wann der Müll raus muss, das Flusensieb der Waschmaschine gereinigt werden muss, es wieder Zeit ist fürs Saugen der Staubweben in den Ecken der Zimmerdecke. Ganz wichtig: identische Toleranzschwelle für Dreck, sonst nützt die schönste Aufteilung nix.
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