Mäuse Eiweiß verlängert Leben um ein Drittel

Die Suche nach dem Jungbrunnen macht Fortschritte. Labormäuse lebten um bis zu 31 Prozent länger, nachdem Forscher die Produktion eines bestimmten Proteins gentechnisch erhöht hatten.


Dritter Geburtstag im Labor: Normalerweise werden Mäuse nur zwei Jahre alt
Science

Dritter Geburtstag im Labor: Normalerweise werden Mäuse nur zwei Jahre alt

Klotho heißt das Wundermittel, das vielleicht eines Tages auch Menschenleben verlängern könnte. Das Eiweiß, das die Insulinfreigabe im Körper steuert, schenkt zumindest Mäusen ein längeres Leben. Männliche Tiere lebten bis zu 31 Prozent länger, wenn sie mehr von dem Protein produzierten, berichtet ein internationales Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Science". Mäuseweibchen gewannen rund 20 Prozent an Lebenszeit hinzu.

Insulin steuert den Zuckerhaushalt und spielt unter anderem eine große Rolle bei Diabetes. Das Eiweiß Klotho, benannt nach der griechischen Göttin, die den Lebensfaden spinnt, unterdrückt in Zellen die Signalübertragung von Insulin und des Wachstumsfaktors IGF-1. Dies sei ein bekannter Mechanismus zur Lebensverlängerung, berichtet das Team um Makoto Kuro-o von der University of Texas in Dallas.

Kuro-o und seine Kollegen hatten das Klotho-Gen bereits 1997 entdeckt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Mäuse, denen dieses Gen fehlte, bereits nach wenigen Lebenswochen Anzeichen von Alterung zeigen und in der Regel nach zwei Monaten starben.

Bei ihrer neuen Studie veränderten die Wissenschaftler das Klotho-Gen von Mäusen, so dass die Tiere größere Mengen des Proteins Klotho produzierten als üblich. Dies verlängerte das Leben der Mäuse um ein Fünftel bis ein Drittel.

Allerdings hat die zusätzliche Lebenszeit auch Schattenseiten. Mäuse, die durch den gentechnischen Trick mehr Klotho produzieren, neigen zu Diabetes. Außerdem haben sie nur etwa die Hälfte des Nachwuchses, den andere Nager mit natürlichem Klotho-Spiegel hervorbringen.

Dessen ungeachtet begrüßen andere Wissenschaftler das Klotho-Gen als Bereicherung der kurzen Liste lebensverlängernder Gene. "Ich glaube nicht, dass wir jemals ein Gen finden werden, das wie ein Hauptschalter die Lebensspanne reguliert", merkte der Genforscher Harry Dietz von der Johns Hopkins University in Baltimore in einem "Science"-Kommentar an. "Aber dieses Gen kommt der Erwartung bisher am nächsten".

Dietz untersucht das Klotho-Gen beim Menschen. Eine Studie mit 2000 Teilnehmern aus dem Jahr 2002 hatte ergeben, dass Menschen mit bestimmten Klotho-Varianten früher sterben als andere.

Die Pille für ein längeres Leben der Menschen gibt es zwar noch nicht - immerhin aber für Fruchtfliegen. Nach der Gabe von Phenylbutyrat (PBA) strotzten die Fliegen weit über ihre übliche Lebensspanne hinaus nur so vor Energie und Widerstandskraft und blieben uneingeschränkt reproduktionsfähig, berichteten US-Forscher Anfang 2002. PBA ist ein Medikament, das Patienten mit einem Defekt im Harnstoffzyklus seit mehr als 15 Jahren verschrieben wird.

An Gruppen mit jeweils 400 Fliegen erprobt, verlängerten geringe PBA-Mengen das Leben der Fruchtfliegen im Vergleich zur Kontrollgruppe um durchschnittlich 33 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 52 Prozent.



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