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21. Februar 2008, 09:09 Uhr

Mäuse-Experiment

Stammzellen helfen gegen Diabetes

Mit menschlichen embryonalen Stammzellen haben US-Forscher erfolgreich zuckerkranke Mäuse behandelt. Die Zellen verwandelten sich genau in jene, die Diabetikern fehlen. Das Resultat eröffnet neue Chancen für Diabetestherapie bei Menschen.

Aus den embryonalen Stammzellen wurden in der Studie schließlich insulinproduzierende Zellen, die in Abhängigkeit vom Blutzuckerspiegel das benötigte Hormon ausschütten. Aus den menschlichen embryonalen Stammzellen züchteten Emmanuel Baetge und seine Arbeitsgruppe vom Biotechnologie-Unternehmen Novocell in San Diego zunächst im Labor Bauchspeicheldrüsengewebe. Dieses wurde dann Mäusen implantiert. Die Versuchstiere hatten die Forscher zuvor künstlich zuckerkrank gemacht, indem sie die die Beta-Zellen der Versuchstiere chemisch zerstörten.

Labormaus: Stammzellen werden zu insulinproduzierenden Zellen
Science

Labormaus: Stammzellen werden zu insulinproduzierenden Zellen

Rund einen Monat später beobachteten die Forscher neue insulinproduzierende Zellen, die sich aus dem menschlichen Gewebe entwickelt hatten. Drei Monate nach der Implantation erreichten diese neuen Beta-Zellen ihre maximale Insulinausschüttung. Ein Großteil der Mäuse produzierte genügend Insulin, um den künstlichen Diabetes auszugleichen. Diese Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Zelltherapie für Diabetiker, schreiben die Autoren im Fachjournal "Nature Biotechnology" (Online-Vorabveröffentlichung). Menschliche embryonale Stammzellen könnten sich als Quelle für nachwachsende Beta-Zellen für Diabetiker erweisen.

Bis zu einer möglichen Anwendung beim Menschen ist es allerdings noch ein langer Weg. Bislang gibt es weltweit für keine Krankheit eine etablierte Therapie mit menschlichen embryonalen Stammzellen. Bislang sind Diabetiker auf die Transplantation einer fremden Bauchspeicheldrüse oder Infusionen mit sogenannten Langerhansschen Inseln angewiesen, die Beta-Zellen enthalten. Keines dieser Verfahren eignet sich für die massenhafte Anwendung - unter anderem mangelt es an Spenderorganen.

In Deutschland sind mehr als fünf Millionen Menschen, die an Diabetes mellitus leiden. Davon leiden etwa 250.000 Patienten an Typ 1 Diabetes - dagegen wäre eine mögliche Stammzelltherapie besonders gut geeignet. Die Ergebnisse liefern neue Argumente für die Vertreter der Forschung an embryonalen Stammzellen - der Bundestag ist derzeit dabei, über eine Änderung der derzeit strikten und Wissenschaftlern zufolge forschungsfeindlichen Regelung in Deutschland zu beraten.

cis/dpa

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