Magen-Darm-Erreger Das Comeback der Noro-Viren

Zunächst machten Magen-Darm-Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen Schlagzeilen. Jetzt weist auch das Robert-Koch-Institut darauf hin: In diesem Winter werden sich wieder Hundertausende Deutsche mit Noro-Viren infizieren. Lebenbedrohlich ist der Erreger aber nur selten.


Die Passagiere der "Queen Elisabeth 2" haben bereits am eigenen Leib erfahren, was eine Infektion mit Noro-Viren bedeutet. Fast jeder fünfte Reisegast des Luxusliners hat sich bei der jetzigen Kreuzfahrt, die am 8. Januar in New York begann, mit dem Magen-Darm-Erreger angesteckt.

Aber auch daheim ist niemand vor einer Infektion geschützt: Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin rechnet für diesen Winter mit einem neuen Rekordstand an Norovirus-Infektionen und bis zu einer Million Erkrankten in Deutschland. Im vergangenen Jahr erfasste das Institut 19 durch Noroviren verursachte Todesfälle.

Die Infektions-Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. "Schon vor zwei und vor vier Jahren hatten wir ähnlich viele Fälle, wie wir sie jetzt erwarten" sagte RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher zu SPIEGEL ONLINE. "Für diese Saison werden die Zahlen aber wohl tatsächlich noch etwas höher liegen."

Schuld daran ist vermutlich die Fähigkeit des Erregers, sich stark zu verändern. Er gehört zu den RNA-Viren, die bei ihrer Vermehrung viele Fehler in ihr genetisches Material einbauen. Das verändert ihre Struktur und damit auch die Erkennungsmerkmale für das menschliche Immunsystem. "Gegen den einen Stamm haben wir bessere Abwehrmechanismen als gegen den anderen", erklärt Glasmacher. Die genaue Analyse der derzeitigen Virusvariante durch RKI-Experten steht allerdings noch aus.

Eine Winterepidemie steht bevor

Obwohl eine Infektion mit Noro-Viren meldepflichtig ist, geht das RKI davon aus, deutlich weniger als die tatsächlichen Fälle zu erfassen. Nicht jede Einzelerkrankung oder jeder Ausbruch werde labordiagnostisch abgeklärt, heißt es im epidemiologischen Bulletin vom Dezember 2006. Schon damals hatte das Institut darauf hingewiesen, dass eine Winterepidemie bevorsteht.

Besorgnis erregt diese Erkenntnis aber bislang kaum. Eine Infektion mit Noro-Viren, die früher als Norwalk-like-Viren bezeichnet wurden, ist meist kurz und heftig: Mit dem Stuhl und Erbrochenem wird der Erreger ausgeschieden. Über die Atemwege, infizierte Gegenstände und Speisen wie Salate, Krabben, Muscheln oder verunreinigtes Wasser können sich Gesunde anstecken. Nach einer Inkubationszeit von 10 bis 50 Stunden leiden die Betroffenen dann an heftigen Durchfällen und Erbrechen, nach zwei Tagen ist meist aber schon alles wieder vorbei.

Gefährlich wird das Virus allerdings, wenn die Infizierten durch Erbrechen und Durchfälle zu viel Flüssigkeit verlieren. "Das ist besonders bei kleinen Kindern und alten Menschen schnell der Fall", erklärt Glasmacher. Dann muss dringend ein Arzt gerufen werden, der das Flüssigkeitsdefizit ausgleicht. "Meist ist es sinnvoller, dass der Arzt nach Hause kommt, denn in einem Wartezimmer springt das Virus schnell von einem Patienten zum nächsten", so Glasmacher.

Erreger haben leichtes Spiel in Krankenhäusern

Die Infektion kann tödlich verlaufen, wie die 19 vom RKI 2006 gezählten Todesfälle zeigen. "Trotzdem darf man keine Panik verbreiten", meint Glasmacher. "Auch bei Salmonellen-Infektionen gibt es jedes Jahr einzelne Todesfälle in Deutschland."

Gegen das widerstandsfähige Noro-Virus gibt es weder eine Impfung noch eine ursächlich wirksame Arznei. Deswegen verbreitet es sich oft rasend schnell, vor allem zwischen Oktober und April. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen haben die Erreger besonders leichtes Spiel. Dabei reichen laut RKI-Präsident Kurth gängige Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen im Haushalt, um ihre Vermehrung effektiv zu hemmen.

Für Krankenhäuser hingegen gibt es spezielle Regeln: Kittel, Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe werden für den Umgang mit Patienten empfohlen, zudem sollten alle Oberflächen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte, regelmäßig desinfiziert werden. Auch eine separate Toilette für den Erkrankten sei angebracht.

hei/AP



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