Magnet-Forschung Physik-Nobelpreis für Deutschen Peter Grünberg

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Jülicher Wissenschaftler Peter Grünberg und den Franzosen Albert Fert. Sie hatten 1988 unabhängig voneinander einen bis dahin unbekannten magnetischen Effekt entdeckt, der heute in fast allen Computer-Festplatten genutzt wird.


Stockholm/Jülich - Grünberg und Fert werden für die Entdeckung eines physikalischen Effekts, des Riesenmagneto-Widerstands (Giant Magnetoresistance - kurz GMR) ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee weiter mitteilte. Der 68-jährige Grünberg arbeitet am Forschungszentrum Jülich, ist aber seit 2004 offiziell im Ruhestand. Albert Fert forscht an der Université Paris-Sud.

"Dieses Jahr zeichnet der Nobelpreis für Physik eine neue Technik aus, mit der die auf Computer-Festplatten gespeicherten Datenmengen ausgelesen werden", erklärte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften. Dank dieser Technik seien Festplatten in den vergangenen Jahren erheblich verkleinert und zugleich mit wesentlich größerer Speicherkapazität angeboten worden.

"Ich war bei dem Anruf heute Morgen total überwältigt, hatte aber insgeheim gehofft, diesen Preis einmal zu bekommen", sagte Grünberg bei einer Pressekonferenz im Forschungszentrum Jülich. Er sei "schon seit einiger Zeit" als Kandidat gehandelt worden. "Da wird man zu einer gewissen Erwartung erzogen." Es sei nicht der erste, aber der bedeutsamste Preis, den er erhalten habe. "Die Auswirkungen des Nobelpreises werden sich erst in den kommenden Monaten zeigen", sagte Grünberg, und fügte hinzu: "Das Geld ist ja auch ganz schön." Dass der Preis nach Jülich gehe, sei das Verdienst vieler Wissenschaftler: "Ich danke vor allem meinen vielen langjährigen Mitarbeitern."

Der Jülicher Physiker und sein französischer Kollege hatten den GMR-Effekt 1988 unabhängig voneinander entdeckt. Nach den Beobachtungen der Forscher ändert sich der elektrische Widerstand von dünnen magnetischen Schichten unter dem Einfluss schwacher äußerer Magnetfelder stark - ideal für Sensoren.

Sofort Patent angemeldet

Der Riesenmagneto-Widerstandseffekt wird seit Mitte der neunziger Jahre in allen gängigen Festplatten genutzt, um magnetische Bits und Bytes auszulesen. Der Effekt beruht auf der quantenmechanischen Kopplung der Elektronen-Spins in den Materialschichten. Grünberg und Fert gelten deshalb auch als Gründerväter der Spin-Elektronik.

Grünberg hatte seine Entdeckung sofort patentieren lassen - und kam damit den Kollegen in Frankreich zuvor. Ihm sei sofort klar gewesen, wie man mithilfe des Effekts die Speicherkapazität deutlich erhöhen könne, sagte er später in einem Interview. Viele Forscher hätten damals nach so etwas gesucht. Nur wenige Jahre später schloss IBM einen Lizenzvertrag mit dem Forschungszentrum Jülich ab. 1997 stellte der Elektronikkonzern das erste Festplattenlaufwerk her, das den GMR-Effekt nutzte. Heute wird er in fast allen Laufwerken eingesetzt.

"Wir platzen vor Stolz"

In Jülich zeigte man sich begeistert über die Ehrung Grünbergs. "Wir platzen vor Stolz", sagte Forschungszentrums-Mitarbeiterin Angelika Staudte zu SPIEGEL ONLINE. "Uns war klar, dass er den Preis verdient hat. Aber wir hatten vier Jahren lang die Daumen gedrückt und die Hoffnung schon fast aufgegeben."

Dass Grünberg den Nobelpreis mit Fert teilen muss, sei weder enttäuschend noch überraschend. "Er wurde schon früher zusammen mit Fert ausgezeichnet, etwa im Januar mit dem Japanischen Forschungspreis", sagte Staudte. "Deshalb war es für uns immer klar, dass die beiden sich auch den Nobelpreis teilen würden, falls sie ihn bekommen sollten."

Fert selbst fühlte nach der Zuerkennung "Demut" und war tief bewegt. "Ich wusste, dass der Preis für mich möglich war", sagte der 69-Jährige. "Aber ich bin noch immer überrascht. Ich bin mehr als glücklich, den Preis mit Peter Grünberg zu teilen, ich habe gerade mit ihm gesprochen. Wir haben die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit in fairer Weise ausgetauscht, selbst nachdem wir nicht mehr direkt kooperiert haben. Es ist fantastisch, die Kraft unserer Entdeckung zu sehen."

Die Auszeichnung für Physik ist traditionell die zweite von insgesamt fünf, mit denen der 1896 verstorbene Preisstifter Alfred Nobel wissenschaftlichen Einsatz zu Gunsten der Menschheit fördern wollte. Am Montag wurden die beiden US-Forscher Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Sir Martin J. Evans für ihre bahnbrechenden Verdienste in der Humangenetik mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.

Bis zum 12. Oktober werden die Preisempfänger für Chemie, Literatur und Frieden bekannt gegeben. Am 15. Oktober wird der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises bestimmt. Diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen. Die Verleihung der mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotierten Preise erfolgt alljährlich am 10. Dezember, Nobels Todestag.

mbe/hda/AFP/ddp/dpa



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