Mahlzeit Teflonpfannen setzen Chemikalien frei

Mit Teflon beschichteten Pfannen sind aus keinem Haushalt mehr wegzudenken. Doch im Laufe der Zeit werden die Kochgeräte anscheinend immer ineffizienter - und das nicht nur in kulinarischem Sinn.


Sie gilt als eine der großen Erfindungen der vergangenen Jahrzehnte, als Beweis, dass die Produkte aus der Raumfahrt auch in heimische Küchen einziehen können, und als Liebling jedes Hobbykochs: Doch Teflonpfannen verhelfen nicht nur kochenden Anfängern zu vernünftigen Spiegeleiern, sie haben möglicherweise auch problematische Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit.

Aus Teflon wird TFA: "Nicht aus Angst die Pfanne wegwerfen"
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Aus Teflon wird TFA: "Nicht aus Angst die Pfanne wegwerfen"

Wie ein Team um Scott Mabury in der aktuellen Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins "Nature" schreibt, ist die Beschichtung der nichthaftenden Pfannen offensichtlich keineswegs so hitzebeständig wie bislang gedacht. Je mehr Spiegeleier ihren Weg auf den Teller finden, desto stärker werden Teflon und Co. abgebaut. Es können, so die kanadischen Forscher, schwer abbaubare, möglicherweise sogar giftige Chemikalien entstehen, deren Folgen für die Umwelt noch weitgehend unerforscht sind.

Der gefährliche Stoff, in der Wissenschaft als Trifluoracetat (TFA) bekannt, kommt in teilweise hohen Konzentrationen in der Umwelt vor. Bislang wurde TFA allerdings meist mit dem Abbau der klimaschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe und deren Ersatzstoffen in Verbindung gebracht. Doch die im Regenwasser gemessene Konzentration der Trifluoressigsäure ist oftmals zu hoch, um sie allein mit Klimakillern in Verbindung zu bringen. Seit Jahren rätseln Forscher deshalb, wo das überschüssige TFA herkommen könnte.

Mabury und Kollegen haben nun einen Verdächtigen ausgemacht: die so genannten Fluorpolymere, zu deren bekanntestem Vertreter das von der US-Firma DuPont produzierte und bereits in den dreißiger Jahren entwickelte Teflon gehört. Im Zuge ihrer Forschungen erhitzten die Wissenschaftler neben reinen Polymeren auch teflonbeschichtete Produkte wie Pfannen oder OP-Besteck. Bei Temperaturen zwischen 360 und 500 Grad Celsius, wie sie auch bei der Verbrennung von Hausmüll entstehen können, wurden die freigesetzten Produkte untersucht - und Trifluoracetat entdeckt.

Da TFA äußerst reaktionsträge ist, kann es sich über Jahrhunderte im Wasser ansammeln, ohne abgebaut zu werden. Obwohl sich das Trifluoracetat in Versuchen mit Pflanzen als potenziell schädlich erwiesen hat, sehen viele Forscher keine Gefahr für den Menschen. Dies habe eine vor zwei Jahren abgeschlossene Risikoanalyse ergeben, so der Wissenschaftler Archie McCulloch gegenüber "Nature Science Update".

So enthielten die Weltmeere derart große Mengen an TFA, dass dafür nur schwerlich industrielle und menschliche Quellen verantwortlich gemacht werden könnten. "Alles in allem erhöhen brennende Bratpfannen in Toronto natürlich die Belastung der Umwelt, signifikant sind sie aber kaum."

Auch David Ellis, der maßgeblich an der kanadischen Studie beteiligt war, ist vorsichtig. "Die beschichtete Pfanne tötet niemanden, aber sie trägt dazu bei, dass die Umgebung der Menschen zusätzlich mit TFA belastet wird." Letztlich stellten die Pfannen aber nur einen kleinen Teil des weltweiten Teflonverbrauchs dar.

So werden Fluorpolymere beispielsweise in großem industriellen Maßstab zur Isolierung von Kabeln eingesetzt. Auch Motoröl enthält oftmals Teflon, das den Schmierstoff leistungsfähiger machen soll. Ellis sagt daher: "Wir wollen niemand dazu verleiten, aus Angst seine Bratpfanne aus dem Fenster zu werfen."



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