Fund in Mainz Toter in tausend Jahre altem Sarkophag identifiziert

Tausend Jahre lang ruhte ein steinerner Sarg im Boden der Mainzer Johanniskirche, bis Forscher ihn bei Ausgrabungen entdeckten. Nun sind sie sicher, wer der Tote ist - und das hat Folgen.

Um die Proben nicht zu verunreinigen, mussten die Forscher Schutzanzüge tragen
Andreas Arnold/ DPA

Um die Proben nicht zu verunreinigen, mussten die Forscher Schutzanzüge tragen


Er ist es! Schon als Forscher vor einigen Monaten im Boden der Mainzer Johanniskirche einen Sarkophag entdeckten, vermuteten sie, darin könnten die Überreste des Erzbischofs Erkanbald liegen, der im Jahr 1021 starb. Nun sind sich die Forscher endgültig sicher. Die Geschichte der Stadt muss nun teilweise neu geschrieben werden.

Forschungsleiter Guido Faccani verglich die Analysen mit einem Indizienprozess, den entscheidenden Hinweis lieferten schließlich Textilreste. Der Tote trug eine Kasel, einen Umhang aus Seide, der mit einer Goldborte am Nacken abgeschlossen war.

"Das sind Pontifikalschuhe"

Darauf lag ein Abzeichen aus Wollstoff - ein sogenanntes Pallium. Das Ehrenzeichen wird direkt vom Papst an Erzbischöfe verliehen. An den Füßen trug der Tote offenbar sandalenartige Schuhe aus Ziegenleder. "Das sind Pontifikalschuhe, Schuhe eines Bischofs, die nur zu besonderen Anlässen getragen wurden", sagte Faccani. Als die Textilanalysen auch noch ergaben, dass die Kleidung zwischen 950 und 1050 hergestellt worden sein muss, konnte die Forscher bestätigen: In dem Sarkophag kann nur Erkanbald liegen.

Seine sterblichen Überreste verraten Details aus seinem Leben. Erkanbald war zu Lebzeiten 1,82 Meter groß. "Das ist eine ordentliche Körperlänge für die damalige Zeit", sagte die Anthropologin Carola Berszin, die die Knochen untersucht hat. Zudem litt der Geistliche offenbar an Gicht.

Im Video: So liefen die Arbeiten am Sarkophag

REUTERS

Der Fund ist auch eine Sensation für die Mainzer Stadtgeschichte. Wenn in der Johanniskirche einst ein Bischof bestattet wurde, muss sie die erste Kathedrale von Mainz gewesen sein - vor dem später erbauten Dom, der seit 1036 Bischofsitz ist. "Zwei Dome einen Steinwurf voneinander entfernt - das soll den Mainzern erst mal jemand nachmachen", sagte der evangelische Dekan Andreas Klodt. Damit müssten Teile der Mainzer Stadtgeschichte neu geschrieben werden. Inzwischen ist die Johanneskirche evangelisch.

"Das ist für mich ein sehr bewegender Moment", sagte Forscher Faccani. "Die Forschungsergebnisse bestätigen unsere ersten Annahmen, die zum Teil sehr kühn waren." Erkanbald sei der erste Erzbischof von Mainz, der nicht außerhalb der Stadt, sondern im Zentrum bestattet worden sei. "Dies bedeutet, dass wir hier in der Kirche sitzen, die bis 1036 die Kathedrale von Mainz war." Als Erzkanzler hatte Erkanbald auch eine politische Funktion am Hof von Kaiser Heinrich II.

koe/dpa



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