Malaria-Bekämpfung Forscher impfen Patienten mit Mückenstichen

Kann man Malaria mit Malaria bekämpfen? Vermutlich ja, wie ein Experiment vermuten lässt. Freiwillige ließen sich ein Medikament verabreichen und zugleich von infizierten Mücken stechen. Danach waren sie immun gegen die Krankheit, die jedes Jahr Millionen tötet.

Etwa eine Million Menschen sterben jedes Jahr weltweit an Malaria, darunter viele Kinder vor allem in Afrika. Das tückische an der Erkrankung: Ihr Erreger Plasmodium falciparum entwickelt immer mehr Resistenzen gegen Medikamente, mit denen man früher den Erkrankten noch gut helfen konnte.

Im "New England Journal of Medicine" stellen holländische Forscher nun einen vielversprechenden Ansatz für eine mögliche Impfung vor. Robert Sauerwein von der Radboud Universität in Nijmegen und seine Kollegen bedienten sich bei ihrer Studie einer ganz besonderen Impfnadel: der Anopheles-Mücke.

Es ist bereits bekannt, dass Menschen nach wiederholten Infektionen mit dem Parasiten Plasmodium falciparum eine Immunität entwickeln können. Dieser Prozess dauert jedoch relativ lange. Als gesichert gilt außerdem, dass das Medikament Chloroquin den Parasiten im Blut in jener Phase töten kann, wenn er am gefährlichsten ist. Chloroquin wird auch in der Malaria-Prophylaxe eingesetzt, allerdings ist es wegen zunehmender Resistenzen immer öfter unwirksam.

Sauerweins Team kombinierte die Chloroquin-Gabe mit gezielten Stichen von Anopheles-Mücken, die mit dem Malaria-Erreger infiziert waren. Zehn Freiwillige ließen sich im Zeitraum von drei Monaten drei Mal stechen. Fünf weitere Probanden wurden von Mücken traktiert, die nicht infiziert waren. Beide Gruppen bekamen Chloroquin verabreicht.

"Das ist noch keine Impfung"

Zwei Monate nach dem Ende der Behandlung ließen sich die Probanden mehrmals von infizierten Anopheles-Mücken stechen. Die zehn Teilnehmer aus der Impfgruppe hatten eine Immunität entwickelt, berichten die Forscher im "New England Journal of Medicine" , die fünf aus der Kontrollgruppe hingegen nicht.

"Das ist noch keine Impfung", betonte Sauerwein, aber die Studie zeige, wie man den Parasiten nutzen könne, um eine Schutzwirkung zu erzielen. Eine Firma in den USA, die nicht in Verbindung mit den Autoren der Studie steht, arbeitet bereits an einem Impfstoff aus Parasiten, die durch Bestrahlung abgeschwächt wurden.

"Malaria-Impfstoffe verlassen die Labore", schreibt Carlos Campbell vom Malaria Control Program PATH in Seattle in einem Kommentar im "New England Journal of Medicine" . Die aktuelle Studie verdeutliche, dass sich der Malaria-Erreger im Ganzen sehr gut zur Immunisierung eigne.

In den vergangenen Jahren hatten Wissenschaftler verschiedene Methoden untersucht, um die gefährliche Tropenkrankheit in den Griff zu bekommen. Erst kürzlich berichteten US-Physiker über die mögliche Bekämpfung der Anopheles-Mücken mit computergesteuerten Laserstrahlen.

Forscher haben auch vorgeschlagen, die Anopheles-Mücke genetisch so zu verändern, dass sie dem Malaria-Verursacher Plasmodium keinen Lebensraum mehr bietet. Im Laborversuch vermehrten sich derartig genveränderte Mücken besser als ihre normalen Artgenossen. Auch mit radioaktiver Strahlung glauben Wissenschaftler, das Malaria-Problem womöglich lösen zu können. Die Bestrahlung sterilisiert die männlichen Insekten und verhindert so die Fortpflanzung.

hda/Reuters
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