Manipuliert Forscher basteln neues Ebola-Virus

Mit Hilfe eines manipulierten Ebola-Virus hoffen Gentechniker, der zellschädigenden Wirkung des tödlichen Erregers auf die Spur gekommen zu sein: Das Killervirus kontrolliert sich selbst.


Tödlicher Erreger: Das Ebola-Virus
AP

Tödlicher Erreger: Das Ebola-Virus

Ein internationales Forscherteam hat unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein gentechnisch verändertes Ebola-Virus hergestellt. Mit seiner Hilfe möchten die Virologen neue Strategien entwickeln, um das tödliche Virus gezielter bekämpfen und die Folgen einer Erkrankung besser behandeln zu können. Wie die US-Fachzeitschrift "Science" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, ist es den Experten gelungen, bislang unbekannte Wechselwirkungen zwischen Körperzellen und dem Erreger zu erkennen.

Das natürliche Ebola-Virus besitzt an der Oberfläche so genannte Glycoproteine, Eiweiße mit einem Kohlenhydratanteil von mitunter mehr als 50 Prozent. Sie sind dafür zuständig, dass das Virus an den Körperzellen anhaftet, so Co-Autorin Elke Mühlberger von der Universität Marburg. "Die Strategie des Virus ist, dass die Zelle den Erreger vermehrt, bis sie selbst stirbt."

Um als Killervirus erfolgreich zu sein, darf die Zelle einerseits nicht zu früh absterben, da ansonsten die Vermehrung nicht mehr gewährleistet ist. Lebt die angegriffene Zelle zu lange, ist dies allerdings ebenfalls kontraproduktiv.

Beim gentechnisch veränderten Ebola-Virus war die Synthese der Glycoproteine gestört, der Regulationsmechanismus zwischen Erreger und Zelle wurde außer Kraft gesetzt: Durch das künstlich hergestellte Ungleichgewicht starben die Zellen früher ab. Die Genetiker vermuten auf Grund ihrer Experimente, dass das Virus durch die Glycoprotein-Herstellung selbst bestimmen kann, wie stark zellschädigend es ist. Hierdurch könnte möglicherweise eine optimale Ausbreitung des tödlichen Erregers gewährleistet werden.

Um die manipulierten Ebola-Viren herzustellen, benutzten die Wissenschaftler eine neuartige Technik, die unter den Begriff "reverse genetics" fällt. Dabei wird zunächst das Virengenom (eine RNS) in das Erbgut einer Zelle - die so genannte DNS - umgeschrieben. Auf der DNS-Ebene manipulierten die Forscher das Genom und lassen es dann wieder ins Virenerbgut (RNS) zurückschreiben.



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