Manipulierte Studien Neuer Fälschungsskandal in Südkorea

Neuer Skandal um mutmaßlich gefälschte Studien in Südkorea: Zwei als bahnbrechend eingestufte Arbeiten aus der Zellbiologie wurden offenbar manipuliert, eine Untersuchung der Vorfälle läuft.


Seoul - Der Fall des Klonforschers Hwang Woo Suk hat weltweit für Empörung gesucht. Der in Südkorea als Nationalheld gefeierte Wissenschaftler geriet Ende 2005 unter Verdacht, bei seinen Klonstudien nicht sauber gearbeitet zu haben. Der Verdacht bestätigte sich, das renommierte Wissenschaftsmagazin "Science" zog die Veröffentlichungen 2006 zurück.

Nun ist ein neuer Fall von Wissenschaftsbetrug in Südkorea aufgetaucht: Zwei zellbiologische Studien seien gefälscht worden, sagte Lee Gyun Min vom Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) am Dienstag in Taejon. Der Dekan der Fakultät für Biowissenschaften sagte weiter, seine Hochschule habe eine gründliche Untersuchung eingeleitet. Er zog ausdrücklich Parallelen zum Fall Hwang.

In den vermeintlich bahnbrechenden Studien wurden laut Lee nachweislich Daten manipuliert. Die beiden hauptverantwortlichen Wissenschaftler hätten zugegeben, Forschungsergebnisse aufgebauscht zu haben. In der ersten Studie wurde eine neuartige Methode beschrieben, mit der unter Verwendung von Nanopartikeln die Wechselwirkung zwischen Zellmolekülen und Medikamenten in lebenden Zellen beeinflusst werden kann. Die im Juli 2005 in "Science" veröffentlichten Ergebnisse versprachen neue Wege in der klinischen Anwendung, beispielsweise in der Krebstherapie.

In der im Juli 2006 publizierten zweiten Studie wird erläutert, wie unter Anwendung der ein Jahr zuvor beschriebenen Methode ein kleines Molekül aufgespürt wurde, mit dessen Hilfe sich Körperzellen umprogrammieren und deren Alterungsprozesse umkehren lassen könnten. Diese Arbeit wurde im Fachblatt "Nature Chemical Biology" veröffentlicht.

Die Fälschungen sei aufgeflogen, nachdem ein Student vergeblich versucht habe, das Verfahren zu wiederholen. Nach Angaben des KAIST wurden beide Fachblätter über das Ergebnis der ersten Ermittlungen auf Fakultätsebene informiert. Ein an dem Institut tätiger Forscher sei in der vergangenen Woche suspendiert worden. "Die Untersuchungsergebnisse sind ebenso schockierend wie im Fall Hwang", sagte Lee. Hwangs Studien hätten weltweit Aufsehen erregt, während die jetzt in Frage gestellten Studien vor allem in Fachkreisen bekannt gewesen seien.

hda/dpa



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