Manipuliertes Gedächtnis Forscher löschen Erinnerungen aus Mäusehirnen

US-Wissenschaftlern ist es gelungen, bestimmte Erinnerungen bei Versuchstieren gezielt zu löschen. Das Verfahren weckt die Hoffnung, dass sich in ferner Zukunft auch bei Menschen traumatische Erlebnisse aus dem Gedächtnis tilgen lassen.


"Gezieltes Gedächtnis-Löschen gehört nicht länger ins Reich der Science Fiction", schreibt das Medical College of Georgia in einer Pressemitteilung. Die Euphorie geht auf ein außergewöhnliches Experiment von Forschern um Joe Tsien zurück. Das Team hat nach eigenen Angaben bei Mäusen gezielt Dinge aus dem Gedächtnis eliminiert.

Zellen aus Mäusegehirn: Bestimmte Erinnerungen auszulöschen
Livet et al

Zellen aus Mäusegehirn: Bestimmte Erinnerungen auszulöschen

Die neue Technik könne womöglich eines Tages auch auf das menschliche Gehirn angewendet werden, um dort böse Erlebnisse oder tiefsitzende Ängste auszulöschen - während alle übrigen Erinnerungen erhalten blieben, schreiben die Wissenschafter im Magazin "Neuron" . Allerdings seien die Forschungen noch in einem sehr frühen Stadium.

Die Forscher machen sich die Erkenntnis zunutze, dass das Gedächtnis sich in vier verschiedene Stufen aufteilen lässt: Aneignen, Festigen, Speichern und Abrufen. Tsien zufolge können er und sein Team nun ein bestimmtes Protein bei genveränderten Mäusen manipulieren, das eine entscheidende Rolle beim Zusammenspiel der Hirnzellen spielt und damit wichtig für das Gedächtnis ist: Mit Hilfe des von den Labormäusen in besonders großer Menge ausgeschütteten Proteins ließen sich Informationen etwa aus dem Kurz- und Langzeit-Angst-Gedächtnis löschen, während sie abgerufen würden, erklärten die Forscher. Andere Erinnerungen im Mäusehirn nähmen hingegen keinen Schaden. Konkret ging es um das Form- und Angst-Gedächtnis eine Stunde alter Erlebnisse und Angst-Erlebnisse, die bereits einen Monat zurücklagen.

"Die Ergebnisse zeigen eine erfolgreiche genetische Methode, um schnell und spezifisch bestimmte Erinnerungen auszulöschen, etwa jene an alte und neue Ängste - und zwar, ohne die Hirnzellen zu schädigen", erläuterten die Forscher. Tsien zufolge könnte diese Methode eines Tages beispielsweise bei Kriegsveteranen angewendet werden, die nach ihrer Heimkehr unter traumatischen Erinnerungen zu leiden hätten. Allerdings sei es noch viel zu früh, um auf ein Wundermittel zu hoffen: "Wir sind bislang kaum am Fuße eines sehr hohen Berges angekommen", erklärte Tsien.

hda/AFP



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