Mars-Fotos Wasser an der Oberfläche

Die Vermutungen, wonach Nasa-Wissenschaftler flüssiges Wasser an der Marsoberfläche entdeckt haben, scheinen sich zu bestätigen. Für den Nachmittag hat die amerikanische Weltraumbehörde eine Pressekonferenz angesetzt.


Das Valles Marineris, aufgenommen von der Viking-Sonde.
NASA

Das Valles Marineris, aufgenommen von der Viking-Sonde.

Washington - In einem Pressegespräch will die Nasa am Donnerstag 17 Uhr deutscher Zeit über Erkenntnisse zu flüssigem Wasser an der Marsoberfläche informieren. Forscher der Raumfahrtbehörde, Michael Malin und Ken Edgett, hatten entsprechende Vermutungen nach der Auswertung von Bildern der Sonde Mars Global Surveyor geäußert und für die Zeitschrift "Science" einen entsprechenden Artikel vorbereitet. Er soll im Heft vom 30.Juli veröffentlicht werden, allerdings will die "Science"-Redaktion das Papier bereits im Vorfeld der Nasa-Pressekonferenz öffentlich machen.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler könnte sich das Wasser auf dem Mars in kleinen Seen am Boden von kilometertiefen Schluchten gesammelt haben. Konkret ist ein bestimmter Teil des 6000 Kilometer langen Schluchtensystems Valles Marineris ins Blickfeld der Nasa gerückt. Bilder der Region Candor Chasm zeigen eine Art von Kanälen und lassen annehmen, dass dort unterirdische Wasservorkommen an die Marsoberfläche vordringen und wieder versickern. In den Aufnahmen von Mars Global Surveyor ist dabei eine jahreszeitliche Veränderung dieser geologischen Formationen zu erkennen. Auch Bilder der Ränder von mindestens zwei weiteren Marskratern sollen ähnliche Kanäle zeigen.

Candor Chasm (unten links) ist eine Teilregion des Valles Marineris
NASA

Candor Chasm (unten links) ist eine Teilregion des Valles Marineris

Dass es vor Millionen Jahren einmal fließendes Wasser auf dem Mars gegeben hat, gilt unter Astronomen gemeinhin als unstrittig. Auch unter der Oberfläche wurden bereits Wasservorkommen vermutet. Bisher ging man aber davon aus, dass der Luftdruck in der Mars-Atmosphäre zu gering ist, um noch heute Wasser an der Oberfläche festzuhalten. Flüssigkeit an der Marsoberfläche würde binnen kurzer Zeit in die dünne Atmosphäre entweichen. Die Nasa-Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass diese These zumindest am Boden einiger kilometertiefer Mars-Schluchten nicht gelten könnte. Durch den geringfügig höheren Luftdruck soll es möglich sein, dass sich dort Wasser sammeln kann.

Sollte sich die Entdeckung bestätigen, könnten die Wasservorkommen Ziel für zukünftige Marsmissionen sein. Nasa-Chef Daniel Goldin hatte am Dienstag vor dem Wissenschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses erklärt, wenn man auf dem Mars nach Leben suchen wolle, müsse man dem Wasser folgen.



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