Masern-Schutz Impfkampagne rettet 7,5 Millionen Kinder

Die Zahl der Maserntoten ist weltweit um 60 Prozent gesunken. Dank der weltweiten Impfkampagne wurden zwischen 1999 und 2005 rund 7,5 Millionen Kinder gerettet. Experten geben jedoch noch keine Entwarnung - auch nicht für Deutschland.


London - "Das ist ein historischer Sieg für die öffentliche Gesundheit weltweit", sagte Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Organisation hatte gehofft, die Zahl der Todesfälle durch Masern von 1999 bis 2005 zu halbieren, stellte dann aber fest, dass dieses Ziel um zehn Prozent übertroffen wurde. Nach WHO-Angaben wurden in diesem Zeitraum fast 7,5 Millionen Kinder gerettet. Es seien mehr als 360 Millionen Kinder im Alter zwischen neun Monaten und 15 Jahren gegen die Infektionskrankheit geimpft worden.

Massenimpfungen in Neapel: 7,5 Millionen Kinder gerettet
DPA

Massenimpfungen in Neapel: 7,5 Millionen Kinder gerettet

In Afrika ging die Zahl der Masernerkrankungen mit tödlichem Verlauf sogar um 75 Prozent zurück. Insgesamt schätzen die WHO-Experten in einer Studie, die am heutigen Freitag im Wissenschaftsmagazin "The Lancet" erschienen ist, dass die Zahl der Toten durch Masern sich von 873.000 im Jahr 1999 auf 345.000 im Jahr 2005 verringerte.

Obwohl ein zuverlässiger und preiswerter Impfstoff gegen Masern schon seit vier Jahrzehnten auf dem Markt war, blieb die Infektion auch zu Beginn des Millenniums noch eine der führenden Todesursachen bei Kindern weltweit. Rund 90 Prozent der Maserntoten von 1999 waren nach WHO-Angaben noch keine fünf Jahre alt. Betroffen sind auch heute noch vor allem die Entwicklungsländer, während die Krankheit in vielen Industrieländern nahezu verschwunden ist.

Um der Krankheit endlich global Einhalt zu gebieten, entwickelten die WHO und das Uno-Kinderhilfswerk Unicef eine Strategie für Masernimpfungen und -überwachung. In den 45 am schwersten betroffenen Ländern wurden Kleinkinder flächendeckend geimpft und bekamen die Gelegenheit für eine zweite Impfung zum Auffrischen. Dennoch auftretende Masernfälle wurden beobachtet und behandelt, heißt es in "The Lancet".

Nächstes Ziel: Ausrottung der Krankheit

Angesichts des großen Erfolgs setzte sich die WHO gleich ein neues Ziel: Die Reduzierung der Todesopfer um 90 Prozent bis 2010. Wenn das erreicht wird, könnte sogar eine Ausrottung der Krankheit ins Auge gefasst werden. Ähnlich wie bei Pocken und Kinderlähmung verfügt der Masernerreger nicht über ein tierisches Reservoir, während gleichzeitig eine effektive Impfung existiert. Trotz guter Voraussetzungen und aller Bemühungen konnte jedoch bisher auch die Kinderlähmung nicht ausgerottet werden, sondern taucht regelmäßig in Afghanistan, Indien, Nigeria und Pakistan wieder auf.

In Europa sollen die Masern nach Plänen der WHO bis 2010 sogar ausgerottet sein. Deutschland ist nach Expertenansicht allerdings noch nicht gegen gefährliche Masernepidemien gefeit. "Die Durchimpfungsrate ist zwar besser geworden, aber längst nicht zufriedenstellend", sagte Jan Leidel von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) der Nachrichtenagentur dpa.

Für die Ausrottung der Masern müssten mindestens 95 Prozent der Kinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs zwei Mal geimpft sein. Die Schuleingangsuntersuchungen 2005 hätten aber eine bundesweite Quote von nur 73 Prozent ergeben. Würden bestehende Impflücken nicht geschlossen, könne Deutschland international eine zweifelhafte Spitzenposition beibehalten, warnte Leidel. "Derzeit sind wir Vize-Weltmeister im Export von Masern."

In Deutschland ist es in den vergangenen Jahren mehrfach zu lokalen Masern-Ausbrüchen gekommen, so im vergangenen April an Rhein und Ruhr. Experten führen dies auf die Nachlässigkeit beim Impfen zurück und darauf, dass manche Eltern Impfungen sogar prinzipiell ablehnen.

hda/AP/dpa



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