Massentierhaltung Aigner will mehr Kontrolle bei Antibiotika-Einsatz

Mit dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung soll bald Schluss sein: Agrarministerin Ilse Aigner fordert mehr Kontrolle über den Verbrauch der Medikamente und die Abgabemengen an Tierärzte. Auch in der Geflügelhaltung soll es fortan Datenerhebungen geben.

Torsten Mehltretter

Hamburg - Zwei Drittel aller in Deutschland verabreichten Antibiotika landen laut Expertenschätzungen in der Tierhaltung. Doch die übermäßige Gabe der Medikamente führt zur Ausbreitung von Resistenzen - und ist eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit.

Jetzt will das Bundeslandwirtschaftsministerium eingreifen und fordert mehr Kontrolle: Wie der Radiosender NDR Info berichtet, sieht ein Maßnahmenpaket des Ministeriums vor, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung genauer zu erfassen und die Datenerhebung neu zu regeln.

"Mein Ziel ist es, bundesweit eine Minimierung der Antibiotika-Mengen zu erreichen und die Überwachung durch die zuständigen Länderbehörden zu verbessern", sagte Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) dem Sender.

Den Plänen zufolge soll die Arzneimittelverordnung des Dimdi (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) geändert werden. Insbesondere eine bisher geltende Ausnahmeregelung soll wegfallen: Demnach sollen künftig auch Daten zum Antibiotika-Einsatz bei der Geflügelhaltung erhoben werden. Das Ministerium hatte bisher diese Sonderregelung aus Gründen des Datenschutzes verteidigt.

Ausnahme für Geflügel nicht mehr nachvollziehbar

Bedenken gegen eine Neuregelung seien aber inzwischen "erfreulicherweise ausgeräumt", so die CSU-Politikerin. "Auf dieser Grundlage können dann die Länder ihre Überwachungsmaßnahmen noch zielgerichteter ansetzen." Unter anderen hatte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar auf NDR Info die Ausnahme für Geflügel als nicht nachvollziehbar kritisiert.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Hähnchenzüchter die Antibiotika weitaus häufiger einsetzen als bisher bekannt. Eine entsprechende Studie war vom nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegeben worden. Die Studie soll Ende November offiziell veröffentlicht werden.

Betroffen seien NDR Info zufolge mehr als 80 Prozent aller Tiere gewesen, teils seien bis zu acht verschiedene Antibiotika ins Futter gemischt worden. Die Studie legt demnach den Schluss nahe, dass die Mittel trotz eines Verbots als Wachstumsdoping eingesetzt werden. Die Geflügelwirtschaft wies den Vorwurf zurück.

Erst kürzlich waren Forscher zu einem anderen beunruhigendem Ergebnis bei der Tierzucht gekommen: Schon minimale Rückstände von Antibiotika in Nahrungsmitteln können die Verbreitung von resistenten Erregern begünstigen.

Neben Mastanlagen mit ihrem hohen Antibiotika-Einsatz zählen auch Kliniken zu den Brutstätten der antibiotikaresistenten Keime. Die sind seit Urzeiten im Umlauf, vermutlich sind sie einst durch zufällige Mutationen im Erbgut entstanden. Besonders gut breiten sie sich aus, wenn Antibiotika im Spiel sind: Die Medikamente töten jene Bakterien, die sensibel für diese Substanzen sind - und machen so das Feld frei für die resistenten Keime, die sich dann ungehindert vermehren können.

cib/dapd



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
suwarin 09.11.2011
1. Besser ist das.
Das Antibiotika im Fleisch ein Problem sind, weiß man ja nun schon lange. Das Antibiotika nötig sind, wenn man Massentierhaltung betreibt ist auch kein Geheimnis. Deshalb, ohne mit Tierschutz zu argumentieren: Massentierhaltung gefährdet die Gesundheit des Menschen durch den erhöhten Fleischkonsum und die Immunisierung der Bakterien gegen Antibiotika.
systemmirror 09.11.2011
2. Datenerhebungen ?
Nachdem man jetzt schon weiß, welche Unmengen Antibiotika in Schlachttieren vorhanden sind , braucht man keuine Erhebungen mehr, sondern eine Verringerung der Bestände. das weiß Nichtsnutz-Aigner ganz genau. Nun muß aber wieder die Pharmaindustrie geschützt werden, indem man neue, natürlichvon der Pharmaindustrie, Daten veröffentlicht. Das ändert aber nichts. Im Gegenteil. Schon jetzt wird 80% der Antibiotika illegal eingesetzt. natürlich mit Wissen der Pharmaindustrie, die den Mist schließlich verhökert. Das wird von den Vertretern illegal kofferraumweise in der Landwirtschaft verteilt, ohne irgendwo belegt zu sein. das wissen auch die Veterinäre und halten ob der korrupten Politik die Schnauze. Als Alternative gehen sie auf Aigners geheiß auf die kleinen Kneipen los, mit Wattestäbchen nach irgendetwas suchen, wodurch sie verfärbt werden und dann entsprechend Bußgelder verteilen,wohl wissend, daß sich die Kleinen nicht wehren können.
arnieduke 09.11.2011
3. Billig muss es sein!
Der Deutsche will nun mal billiges Essen und da ist die Qualität oft nebensächlich. Ich sehe es tagein tagaus in unserer Kantine: Das Fleisch, was dort serviert wird, kann zu dem niedrigen Preis gar nicht von guter Qualität sein. So sieht es bei genauerem Hinsehen auch aus und so schmeckt es auch. Deshalb esse ich dort schon lang nicht mehr und muss nur jeden Tag kopfschüttelnd mit ansehen, wie sich andere das Zeug bedenkenlos in die Figur schaufeln. Wenn keinen Wert auf Qualität gelegt wird und nur massenweise Fleisch schnell verfügbar sein muss, kann man die Züchter auch verstehen, wenn sie auf Wachstumsbeschleuniger setzen. Nur Antibiotika sind eben wegen ihrer "Nebenwirkungen" schlecht geeignet. Ich denke ein Verbot wird nicht viel bewirken, solange sich nicht auch die Mentalität der fleischessenden Bevölkerung ändert. Das erfordert meiner Meinung nach vor allem Aufklärung über die Wirkung der eingesetzten Antibiotika und die Gründe.
gerkaiser 09.11.2011
4. Seit den achziger Jahren bekannte Tatsachen.
Zitat von sysopMit dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung soll bald Schluss sein: Agrarministerin Ilse Aigner fordert mehr Kontrolle über den Verbrauch der Medikamente und die*Abgabemengen an Tierärzte. Auch in der Geflügelhaltung soll es fortan Datenerhebungen geben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,796684,00.html
Ach doch schon!? Da fühlt man sich als Verbraucher doch so richtig geschützt.
Magnolie5 09.11.2011
5. antibiotika
Der Gedanke von Aigner ist ja nicht schlecht, warum werden denn Antibiotika in der Massentierhaltung eingesetzt? Da werden 10 Huehner in einen Kaefig gesprerrt, es stehen Kaefig an Kaefig, gleiches gilt fuer die Schweinehaltung. tiere werden auf engstem Raum zusammengepfercht, erkrankt eines, steckt es hundert andere an. Antibiotika werden prophylaktisch eingesetzt und Kontrollen helfen hier nicht. Tiere muessen anders, artgerechter gehalten werden. Alles andere ist ein Tropfen auf den heissen Stein oder unsinnige Arbeitsbeschaffungmassnahme fuer Kontrolleure, Veterinaere, die einen ueberblaehten Beamtenapparat foerdert. Und der Kunde muss zahlen! Fleisch ist zu billig, ich wuerde aber lieber die Teuerung zahlen wenn ich wuesste, dass es dem Tier und seiner Haltung ohne ueberfluessige Medizin zugute kommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.