Maul- und Klauenseuche in England Virus kam wahrscheinlich aus Labor

Mängel in einem Forschungslabor waren offensichtlich für den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche vor einem Monat in Großbritannien verantwortlich. Die Laborbetreiber hatten bislang bestritten, Schuld an der Infektion zu sein.


London - Der Verdacht bestand von Anfang an, nun glauben britische Veterinäre sicher zu sein, dass der Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS) aus dem staatlichen Institute for Animal Health in Pirbright kam. Die gefährliche Infektion war am 3. August auf einem Bauernhof in der Grafschaft Surrey, 50 Kilometer südwestlich von London nachgewiesen worden. Der Hof ist nur wenige Kilometer vom Forschungslabor in Pirbright entfernt.

Polizist in Pirbright: Undichte Abwasserrohre gelten als Auslöser der Infektion
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Polizist in Pirbright: Undichte Abwasserrohre gelten als Auslöser der Infektion

Ein am heutigen Freitag veröffentlichter Bericht der britischen Health and Safety Executive (HSE) benennt mehrere Mängel auf dem Institutsgelände: Unter anderem waren demnach Abwasserrohre undicht und die Kontrollen von Menschen und Fahrzeugen unzureichend. Zudem hätten Bauarbeiten die Ausbreitung des MKS-Erregers erleichtert, heißt es in dem Bericht der Gesundheitsbehörde.

HSE-Chef Geoffrey Podger sagte, es sei "nun ziemlich sicher, dass der MKS-Ausbruch seinen Ursprung in Pirbright hat". Die genaue Quelle sei aber nicht zu identifizieren. Auf dem Gelände in der Region Surrey befindet sich neben dem staatlichen Institut auch das Privatlabor Merial, das dem US-Pharmakonzern Merck und dem französischen Unternehmen Sanofi-Aventis gehört. Beide Einrichtungen forschen an Impfstoffen für Tiere und experimentieren entsprechend mit Seuchen-Erregern. Beide Labore hatten bestritten, dass die Viren aus ihren Räumen stammen könnten.

Nach Angaben der HSE könnte das Virus bei Überschwemmungen im Juli über Löcher in einem Abfallrohr hinausgelangt sein, eine bereits vor Wochen verbreitete These. Fahrzeuge, die das Gelände verlassen hatten, sollen den Erreger dann über ihre Reifen ins Umland transportiert haben. Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche mussten in Südengland fast 600 Tiere getötet werden. Durch den Boykott der Europäischen Union entstand den Viehzüchtern in Großbritannien ein immenser Verlust.

hda/AFP

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