Mecklenburg-Vorpommern Dinosaurier-Skelett droht der Zerfall

Es ist das einzige Dinosaurier-Skelett, dass jemals in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde - und nun droht im der Zerfall. Der Grund: problematische Methoden bei der Konservierung und Lagerung. Vergleiche mit dem jüngsten Skandal um einen zerstörten Einbaum weisen die Forscher aber zurück.


Greifswald - "Der Zustand des Emausaurus ernsti ist desaströs", sagt die Paläontologin Ingelore Hinz-Schallreuter von der Universität Greifswald unumwunden. Bei Untersuchungen des 190 Millionen Jahre alten Schädels in einem Computertomografen zeigte sich kürzlich: Aus dem Kiefer haben sich Zähne gelöst, Knochenplatten drohen zu zerfallen. "Wir müssen schnellstens handeln", sagt Hinz-Schallreuter.

Geologe Stefan Meng mit Resten des Saurierskeletts: "Diese Methoden entsprachen dem damaligen Stand des Wissens."
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Geologe Stefan Meng mit Resten des Saurierskeletts: "Diese Methoden entsprachen dem damaligen Stand des Wissens."

Die Knochenreste des bislang einzigen in Mecklenburg-Vorpommern gefundenen Dinosauriers waren 1963 in einer Tongrube bei Klein Lehmhagen entdeckt worden. Das etwa zwei Meter große Tier war einen gewaltsamen Tod gestorben: Am Rand eines tropischen Meeres hatte ein riesiges Krokodil den Saurier erlegt. Nach dem Mahl hatte es den unverdaulichen Knochenklumpen als Speiballen zurück ins Wasser gespuckt.

Die rund 50 Skelettteile des Sauriers sind das wertvollste Exponat der Paläontologischen Sammlungen an der Universität Greifswald. Doch den Überresten des Tieres droht ein schleichender Tod. Die Ursache für den Zerfall des nach der Universität und dem Finder Werner Ernst benannten Sauriers ist nach Angaben der Wissenschaftler, dass aus heutiger Sicht falsche Konservierungsmethoden unmittelbar nach dem Fund zum Einsatz kamen - und dass die Urzeit-Pretiosen dann nicht fachgerecht gelagert wurden.

So seien die Knochen mit Ameisensäure aus der Kalkknolle herausgelöst und später mit sogenanntem Geiseltallack konserviert worden. "Diese Methoden entsprachen dem damaligen Stand des Wissens", erläutert Hinz-Schallreuter. Doch die Ameisensäure löste offenbar nicht nur anorganische Kalkverbindungen auf, sondern griff auch die Knochensubstanz an. Der Geiseltallack - so die Vermutung der Wissenschaftler - enthielt zudem Weichmacher und Säuren, die dem Knochen weiter zusetzten.

Erste Zerfallserscheinungen schon 1988

Bereits 1988 zeigten sich mit dem Ausblühen von Markasit, einer schwefelhaltigen instabilen Verbindung, erste Zerfallserscheinungen auf Knochen und Zähnen. Einen Vergleich mit dem vor kurzem bekannt gewordenen Zerfall der 7000 Jahre alten Einbäume lassen die Greifswalder Forscher nicht gelten. "Bei den Einbäumen wusste man, was zu tun ist, und hat es unterlassen. Die Forscher in den sechziger Jahren haben mit den ihnen zur Verfügung stehenden Methoden aber das Beste gegeben", betont der Direktor des Instituts für Geografie und Geologie, Martin Meschede.

Um den Emausaurus ernsti zu retten, haben die Greifswalder Forscher kleinere Knochenproben inzwischen in ein Speziallabor nach Erfurt geschickt. Mit einer Massenspektralanalyse werden dort die Skelettreste auf die chemischen Substanzen untersucht, die als Auslöser für den Zerfall in Frage kommen. Danach soll die Präparation beginnen. Die Universität stelle dafür und für die Neukonservierung 10.000 bis 15.000 Euro bereit, sagte Uni-Pressesprecher Jan Meßerschmidt.

Es gilt auch, die Lagerungsbedingungen der Skelettreste zu verbessern. Jahrmillionen lagen sie unter Luftabschluss in der Tongrube, und in den vergangenen 45 Jahren ist der Luftsauerstoff dem Saurier offenbar nicht gut bekommen. Deshalb sollen die präparierten Knochenreste später in einer mit Stickstoff bedampften Box gelagert werden.

Martina Rathke, dpa



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