Medikamenten-Tests Studien mit negativen Ergebnissen landen häufig im Mülleimer

Eine Studie über die Wirksamkeit neuere Medikamente wird kaum veröffentlicht, wenn die Ergebnisse negativ sind. Dies haben US-Forscher am Beispiel von Antidepressiva gezeigt. Für Ärzten und Patienten fehlen wegen solcher unterdrückter Studien mitunter lebenswichtige Informationen.


Die Pharmaindustrie will Erfolge - und da stören Studien, die Medikamenten negative Ergebnisse bescheinigen. Diese werden oftmals einfach totgeschwiegen, wie Wissenschaftler am Beispiel von Studien mit Antidepressiva herausgefunden haben. Ein Risiko für Patienten, denn so werden Ärzten mitunter wichtige Information vorenthalten.

Medikamente: Positive Ergebnisse sind erwünscht, negative werden oftmals totgeschwiegen
DPA

Medikamente: Positive Ergebnisse sind erwünscht, negative werden oftmals totgeschwiegen

Ein Drittel aller Studien zu dieser Klasse von Medikamenten wird nie veröffentlicht, haben Erick Turner von der Oregon Health & Science University und seine Kollegen herausgefunden. Ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler im Fachmagazin "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

"Die selektive Veröffentlichung kann Ärzte dazu verleiten, falsche Entscheidungen bei der Verschreibung von Medikamenten zu treffen", schreiben Turner und seine Kollegen.

Die Praxis, unvorteilhafte Studien einfach unter den Tisch fallen zu lassen, existiere schon seit Jahren. Turner und Kollegen analysierten Datenbanken der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration. Pharmakonzerne müssen dort Details ihrer Medikamententests eintragen, bevor sie die Studien beginnen.

Von 74 gestarteten Studien, in denen insgesamt 12 Antidepressiva untersucht wurden, ergaben 38 Studien positive Ergebnisse. Alle bis auf eine dieser positiven Studien wurden veröffentlicht. 36 Studien jedoch verliefen negativ oder zumindest mit zweifelhaftem Erfolg. Von diesen negativen Studien wurden nur 3 veröffentlicht und 11 dem jetzt erschienen Artikel zufolge so umgeschrieben, dass der Eindruck erweckt wurde, das Medikament sei erfolgreich gewesen.

Turner und seinen Kollegen gelang es nicht, die Verantwortlichen für die Nichtveröffentlichung ausfindig zu machen. Er könne auch nicht ausschließen, so Turner, dass auch die medizinischen Journale eine Rolle bei dem Selektionsprozess gespielt hatten. Möglicherweise hatten sie eine Publikation von Studien ohne positives Ergebnis abgelehnt.

"Es herrscht die allgemeine Erwartung, immer nur positive Resultate zu erhalten", so Turner. "Kommt stattdessen es negatives heraus, gilt das als persönliches Versagen."

lub/hda/Reuters



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