Medikamentenfälschungen Auf der Spur der falschen Pillen

Gefälschte Medikamente sind gefährlich. Sie enthalten zu wenig oder gar keinen Wirkstoff - oder, im schlimmsten Fall, sogar schädliche Substanzen. In Südostasien sind gewaltige Mengen gefälschter Malaria-Medizin im Umlauf - Forscher verfolgten ihre Spur bis nach China.

Malaria ist eine der schlimmsten Seuchen und fordert jährlich Millionen Todesopfer. Unter anderem in Südostasien ist die Krankheit sehr verbreitet. Die Medikamente, mit denen die Seuche vorwiegend behandelt wird, sind Artemisinin und Artesunat, ein vom Artemisinin abgeleiteter Stoff.

Fälschungen von Malaria-Medikamenten schaden dem Patienten, weil sie ihn im Glauben lassen, seine Krankheit zu therapieren - die Wirkung aber ausbleibt. Das wiederum untergräbt auf lange Sicht das Vertrauen der Patienten in das Medikament. Und letzten Endes entsteht auch ein wirtschaftlicher Schaden für den Medikamentenhersteller.

Im Fachmagazin " PLoS Medicine " berichtet ein internationales Team von Wissenschaftlern und Polizeibeamten davon, wie sie in Südostasien die Spur der falschen Pillen verfolgt haben. Das Team erhielt dabei Unterstützung von Interpol.

Die Forscher untersuchten in der Zeit von 1999 bis 2006 insgesamt 391 Medikamentenproben aus verschiedenen Ländern. Die Proben stammten aus Vietnam, Kambodscha, Laos, Burma und der Grenzregion zwischen Burma und Thailand.

Fast die Hälfte der Medikamente erwies sich als Fälschung, insgesamt konnten die Forscher 14 verschiedene Fälschungstypen nachweisen. Die meisten Tabletten enthielten entweder gar kein Artesunat oder zu geringe Mengen - maximal fanden sie 12 Milligramm des Wirkstoffs in einer Tablette. Die Dosierung in den Originalen beträgt 50 Milligramm. Darüber hinaus fanden sich in den falschen Pillen statt des Antimalaria-Wirkstoffs Schmerzmittel und Antibiotika, einige Pillen enthielten sogar krebserregende Substanzen wie Chloroform, Benzol und Safrol.

Falsche Pillen stammten aus Südchina

Um die Quelle der Fälschungen ausfindig zu machen, analysierten die Forscher die Tabletten auf verschiedene Weise. Manche waren professionell gepresst und besaßen Spuren von Artesunat - was darauf hindeutete, dass sie in einer Maschine produziert wurden, mit der auch echte Pillen hergestellt wurden. Die Isotopen-Analyse wiederum ergab bei einigen Pillen, dass eine spezielle Form des Minerals Kalzit enthielten, das bei der Tablettenherstellung verwendet wird. Es stammte aus einem Abbaugebiet in China nahe der Grenze zu Vietnam.

Die dritte Spur, der die Forscher nachgingen, waren Pollenreste in den Tabletten. Die gefälschten Präparate waren stark verunreinigt mit Pollen, weil sie nicht wie echte Medikamente unter sterilen Bedingungen hergestellt wurden. Sie enthielten bis zu 40 Pollenkörner pro Pille. Wie ein Forensiker des Teams herausfand, stammten die Pollen von Hickorynuss- und Walnussbäumen aus dem Süden Chinas, nahe der Grenze zu Laos, Vietnam und Burma. Das Forscherteam kommt anhand der verschiedenen Analyseergebnisse zu dem Schluss, dass die gefälschten Medikamente vorwiegend aus dem Süden Chinas stammten und an benachbarte malariagefährdete Länder verteilt wurden.

Die Beweise, die die Forscher gesammelt hatten, wurden im Jahr 2006 an das chinesische Ministerium für Öffentliche Sicherheit übergeben. Daraufhin wurden Untersuchungen veranlasst, die zur Verhaftung zweier Chinesen aus den Provinzen Yunan im Südwesten Chinas und der Provinz Guandong im Südosten des Landes führten. Ersterer hatte offenbar von seinem Kontakt 240.000 Packungen gefälschtes Artesunat gekauft. 160.000 der falschen Medikamente wurden dann weiter verkauft an Mittelsmänner an der Grenze zu Burma. Die Fälschungen stammen offenbar alle aus einer einzigen Fabrik in der Provinz Guandong. Alle Festgenommenen erwartet derzeit eine Anklage, der Produzent der Fälschungen ist allerdings noch nicht aufgespürt.

lub

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