Medizin Gesundes Leben halbiert Risiko für Tod durch Herzinfarkt

Schon ein bisschen Bemühung zahlt sich aus: Selbst wer sein Leben nur ein kleines Bisschen gesünder lebt, senkt sein Herzinfarktrisiko deutlich. Das belegen neue Zahlen britischer Forscher.


London - Verstopfte Arterien rund ums Herz sind tückisch: Durch die Verengung der Gefäße wird der Lebensmotor des Körpers nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, ein Herzinfarkt droht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit Abstand die häufigste Todesursache in Deutschland.

Untersuchung bei Infarktverdacht (Archivbild): Der Wechsel von einer ungesunden zu einer gesünderen Lebensweise kann Risiko für einen Herzinfarkttod mehr als halbieren
DPA

Untersuchung bei Infarktverdacht (Archivbild): Der Wechsel von einer ungesunden zu einer gesünderen Lebensweise kann Risiko für einen Herzinfarkttod mehr als halbieren

Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, hängt entscheidend von der Lebensweise ab - das ist lange schon bekannt. Britische Wissenschaftler haben nun berechnet, wie stark sich gesundheitsförderndes Verhalten tatsächlich auswirkt. Demnach kann der Wechsel von einer ungesunden zu einer gesünderen Lebensweise das Risiko für einen Herzinfarkt mit Todesfolge mehr als halbieren. Die Ergebnisse präsentieren die Forscher um Mika Kivimäki vom University College London in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "The Lancet" (Bd. 372, S. 1648).

Die Forscher hatten vier Gesundheitsfaktoren bewertet: Den größten Erfolg habe ein verringerter Cholesterinwert gebracht, gefolgt von dem Verzicht auf das Rauchen. Ferner betrachteten sie Blutdruck- und Blutzuckersenkung. Übergewicht untersuchten die Forscher nicht gesondert. US-Forscher hatten im Sommer darüber berichtet, dass viele Übergewichtige normale Blutwerte hätten.

Für die aktuelle Untersuchung hatten die Wissenschaftler um Mika Kivimäki in Großbritannien insgesamt 17.186 männliche Beamte im Alter von 40 bis 60 Jahren beobachtet. Bei jedem von ihnen wurde der Lebensstil erfasst - und ob der Studienteilnehmer innerhalb von 15 Jahren an koronarer Herzkrankheit starb.

Idealwerte hätten die Teilnehmer der Studien gar nicht erreichen müssen, um das Risiko, an Herzinfarkt zu sterben, um 57 Prozent zu senken, berichten die Forscher. Nach ihren Angaben reicht es bereits aus, nicht zu rauchen und seinen Blutdruck leicht in Richtung des optimalen Wertes zu senken, was laut früheren Studien sogar mit speziellen Internet-Angeboten gut funktioniert. Außerdem müssten Cholesterin- und Blutzuckerspiegel bei Nichtdiabetikern leicht reduziert werden.

Diejenigen Menschen, die niemals geraucht hatten und Idealwerte für Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker aufwiesen, hatten laut Studie sogar ein um 73 Prozent geringeres Risiko für den Tod durch Herzinfarkt. Hier habe das Nichtrauchen den größten Einfluss, schreiben die Forscher.

In der sogenannten Whitehall-Studie wurde bereits herausgefunden, dass Männer in niedrigen Einkommensschichten ein mehr als dreimal so hohes Risiko tragen, an Herzinfarkt zu sterben als beispielsweise Verwaltungsleiter. Kivimäkis Forschergruppe ermittelte nun hingegen ein um nur zehn Prozent höheres Risiko. Voraussetzung war, dass die Repräsentanten beider Gruppen aufs Rauchen verzichteten sowie ihren Blutdruck und Cholesterinspiegel senkten.

chs/dpa



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