Medizin Neues Medikament gegen Heuschnupfen

Das Präparat soll im Vergleich zu anderen Wirkstoffen weniger Nebenwirkungen hervorrufen.


Niesreiz ist die häufigste Begleiterscheinung des Heuschnupfens

Niesreiz ist die häufigste Begleiterscheinung des Heuschnupfens

Hamburg - Rund 16 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter Heuschnupfen, die Zahl der Patienten hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Für sie bricht mit der Pollenflugsaison die Zeit schniefender Nasen und roter Augen an. Eine neue Therapie könnte helfen, die Symptome des Heuschnupfens zu mildern.

Der Lungenmediziner Prof. Roland Buhl vom Universitätsklinikum Mainz setzt seine Hoffnung in eine Allergiebehandlung, die im Vergleich zur klassischen Methode, der Hyposensibilisierung, weniger Nebenwirkungen haben soll. Anstatt die Immunantwort des Körpers durch häufige Stimulation zu ermüden, wird hier die Allergie-Reaktion gleich zu Beginn unterbunden. Die neue Substanz blockiert die Wirkung des so genannten Immunglobulin E (IgE), das bei der allergischen Reaktion eine Hauptrolle spielt. Diese Methode könne nicht nur die Symptome von Allergien verringern, sondern auch den Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten, sagte Buhl in einem Interview des "Allergo Journals".

"Das ist ein ganz heißes Forschungsfeld", meint auch Gerhard Schulze-Werninghaus, der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Sollte das Verfahren zum Erfolg führen, könnte auch auf die langwierige und unsichere Bestimmung der Reizstoffe verzichtet werden. Buhl erwartet, dass das Präparat E 25 der Firma Novartis, das monatlich ein bis zwei Mal injiziert werden müsste, frühestens nächstes Jahr zur Verfügung steht.

Die Sorge, der Körper könnte durch die Verdrängung der IgE-Antikörper eine leichte Beute für Parasiten werden, erwies sich Buhl zufolge in Tierversuchen und ersten Untersuchungen an Patienten als unbegründet.

Bei der herkömmlichen Hyposensibilisierung wird Allergikern über drei bis fünf Jahre in steigenden Dosen eine Lösung mit den Allergie auslösenden Stoffen gespritzt. Das Immunsystem wird langsam an die fremden Stoffe gewöhnt, die es so vehement bekämpft. Dabei scheint die Immunabwehr jedoch allmählich zu ermüden, und der Organismus beginnt, das Allergen zu tolerieren. Deshalb schwächt sich die Reaktion ab. Die Spritzenkur ist langwierig, teuer und oftmals riskant, denn nicht immer gelingt es, das Immunsystem behutsam zu provozieren, ohne eine schädliche Abwehrreaktion auszulösen. Neben Kopfschmerzen, Schwindel oder Infektionen der Einstichstelle kann es in seltenen Fällen auch zu lebensgefährlichem Kreislaufversagen kommen.



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