Medizintechnik Neuartiges Mikrofon für Hörgeräte der Zukunft

Ein Team der Universität Dresden hat ein neuartiges Mikrofon entwickelt, das ins Ohr eingepflanzt wird. Über einen flüssigkeitsgefüllten Schlauch wird das Gerät weich an die Gehörknöchelchen angekoppelt. Das Trommelfell wird als natürliche Mikrofonmembran genutzt.

Die Miniaturisierung elektrischer Bauteile und größere Leistungsfähigkeit von wiederaufladbaren Batterien haben im Bereich der Hörgeräte zu einer deutlichen Verbesserung der technischen Angebote am Markt geführt. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben sogar ein vollständig implantierbares Hörgerät, das sogenannte TICA-Implantat , entwickelt.

Dabei wurde ein herkömmliches Luftschallmikrofon in die Haut unter dem Gehörgang eingesetzt. Das barg jedoch Probleme beim Einwachsen das Implantats, außerdem mussten Anwender unter Umständen mit Qualitätseinbußen rechnen, da die Mikrofone unter der Haut lagen. Forscher der Universität Dresden haben nun ein Mikrofon entwickelt, dass das Trommelfell als natürliche Membran nutzt und Signale direkt vom zweiten Gehörknöchelchen, dem Amboss, abgreift.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt Ingenieur Matthias Bornitz, der an der Entwicklung des implantierbaren Mikrofons beteiligt war, dessen Funktionsweise. "Am Amboss wird ein dünnes, flüssigkeitsgefülltes Schläuchlein befestigt. Die Flüssigkeit im Schlauch überträgt die Schwingungen vom Gehörknöchelchen auf einen Piezo-Kristall. Dieser wandelt die mechanischen Schwingungen in elektrische Signale um." Besonders an der Dresdener Lösung ist demnach die weiche Ankoppelung des Kristalls über den Flüssigkeitsschlauch. Dadurch werden Störungen des Signals verhindert. "Bislang waren die Mikrofone der Schwachpunkt an modernen Hörgeräten", so Bornitz. Mit der Neuentwicklung sei dies nun anders.

Doch gegenüber den Dresdnern haben die Konkurrenten aus Tübingen einen gewaltigen Vorteil: Sie haben mit ihrem Tica-Implantat bereits ein fertiges Produkt mit Marktzulassung. Seit April dieses Jahres darf das Produkt von der Firma Implex europaweit verkauft werden. Aus Dresden soll in zwei Jahren das erste Hörgerät kommen, dass die neue Mikrofontechnik nutzt. Eine 350.000-Mark-Förderung des Forschungsministeriums soll helfen, in dieser Zeit ein einsatzfähiges Produkt fertigzustellen. Komponenten wie Verstärker oder Akkus seien bereits technologisch so ausgereift, dass sie von externen Partner zugekauft werden können, so Bornitz.

Christoph Seidler