Meereserwärmung Fossile Thermometer foppen Forscher

Der Treibhauseffekt hat auch in früheren Zeiten die Temperatur weit stärker steigen lassen als bisher angenommen. Bei der Untersuchung fossilen Planktons sind Forscher einem wissenschaftlichen Irrglauben auf die Schliche gekommen.


Erdklima: Treibhauseffekt erwärmte auch tropische Meere
ESA

Erdklima: Treibhauseffekt erwärmte auch tropische Meere

Kohlendioxid heizte der Erde schon immer kräftig ein. Ein internationales Team um Paul Pearson von der University of Bristol hat nun mit der Theorie aufgeräumt, dass die Erwärmung der Erdoberfläche in Kreidezeit und Eozän zwar zu einem Schmelzen der Pole führte, auf die Meerestemperaturen der höheren Breitengrade jedoch keinen Einfluss hatte.

Foraminiferen, Einzeller, die bizarre kalkhaltige Schalen bilden, galten bisher als fossile Thermometer für Paläoklimatologen. Die Planktonbewohner leben in oberen Schichten warmer Gewässer und bauen Sauerstoffisotope in ihren Carbonatgehäusen ein. Über die Zusammensetzung dieser Schalen haben Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Wassertemperatur gezogen. Allerdings, wie die neue Studie im Fachmagazin "Nature" nachweist, meist falsche.

Bei der Untersuchung der fossilen Thermometer mussten die Wissenschaftler feststellen, dass diese weit weniger einfach zu lesen sind, als bisher angenommen. Die Schalentierchen bauen zwar die Sauerstoffisotope in ihre Schale ein und bilden so die herrschende Wassertemperatur ihrer Umgebung ab. Nach ihrem Tod sinken sie jedoch in kühlere Meeres- und Sedimentschichten ab. Hier verändert sich die Zusammensetzung der Schalen und spiegelt die kühlen Temperaturen am Meeresboden wider. Die Korrosion und Rekristallation verfälscht somit das Ergebnis der Isotopenmessung.

Im Rahme dieser Studie untersuchten die Wissenschaftler jetzt Proben aus Tansania, die etwa 70 und 50 Millionen Jahre alt waren und keine Korrosionsspuren zeigten. Die unversehrten Temperaturzeiger bestätigen, so die Forscher, dass sich auch die tropischen Meere in der Kreidezeit und im Eozän, vor 135 bis 65 Millionen Jahren, auf bis zu 30 Grad erwärmten.

Bisher war diese Erwärmung in den Modellen der Klimatologen zwar angenommen worden, natürliche Beweise fehlten jedoch. Das "cool tropic paradox", dass als Folge des Treibhauseffektes zwar das Schmelzen des polaren Eises beschreibt, jedoch keinen Anstieg der Temperatur der tropischen Ozeane, war bisher ein ungeklärtes Phänomen. Nach den neuen Erkenntnissen sei, so die Forscher, dieser Widerspruch aus der Welt geräumt.



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