Psychologie Wer sich unsicher fühlt, spart mehr

Wie reagieren Menschen auf eine schwierige Lebenssituation? Sie legen sich Geld zur Seite, sagt eine neue Studie. Dabei ist das nicht der einzige Weg, um sich sicherer zu fühlen.

Menschen füttern ihr Sparschwein, wenn sie mit einer Notsituation rechnen
DPA

Menschen füttern ihr Sparschwein, wenn sie mit einer Notsituation rechnen


Wenn Menschen ihre Situation als unsicher wahrnehmen, horten sie ihr Geld. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht wurde. "Menschen, die sich Sorgen um ihre Lebensumstände machen, fangen an zu sparen, weil sie mit einer möglichen Notsituation rechnen und ihre Zukunft absichern wollen", sagt Studienleiterin Yael Steinhart von der Universität Tel Aviv.

Für ihre Studie führten die Wissenschaftler eine Serie von Experimenten mit insgesamt rund 2500 Teilnehmern aus den USA und Israel durch. Außerdem analysierten sie die Daten einer repräsentativen Befragung in den Niederlanden. Alle Untersuchungen zielten darauf ab, den Zusammenhang zwischen der Bereitschaft, Geld auszugeben, und einer Gefährdung der positiven Selbstwahrnehmung zu ermitteln.

Im ersten Experiment sollten die Teilnehmer Sudoku am Computer spielen. Danach wurde ihnen nach dem Zufallsprinzip mitgeteilt, ob sie sich mit ihrem Spielergebnis im oberen, mittleren oder unteren Drittel aller Spieler befinden. Gleichzeitig wurden sie gefragt, wie viel sie sparen würden, wenn sie 1250 US-Dollar zur freien Verfügung hätten. Teilnehmer, denen mitgeteilt worden war, dass sie beim Sudoku ein Ergebnis im unteren Drittel erzielt hatten, wollten mehr Geld sparen als Versuchspersonen mit einem besseren Spielergebnis.

Doch nicht nur die gefühlte Unsicherheit beeinflusst das Sparverhalten. Ein anderes Experiment widmete sich dem Einfluss sozialer Kontakte auf das Sicherheitsdenken der Probanden. Zunächst waren die Teilnehmer aufgefordert, von einer Situation in ihrem Leben zu berichten, in der sie sich besonders gut oder schlecht gefühlt haben. Danach sollten sie die Anzahl der Freunde angeben, mit denen sie in dieser Zeit Kontakt hatten. Anschließend wurden die Probanden gefragt, wie viel Geld sie auf einem Sparkonto anlegen würden, wenn ihnen 500 US-Dollar zur Verfügung stünden.

Das Ergebnis des Experiments war eindeutig: Menschen mit mehr sozialen Kontakten und einer größeren Zufriedenheit mit ihrem Sozialleben tendierten dazu, weniger Geld zu sparen. "Freunde können Geld als psychologische Ressource ersetzen und Individuen die Angst vor der Zukunft nehmen", sagt Steinhart.

Insgesamt kamen die Forscher bei allen ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass eine gefühlte Unsicherheit die Bereitschaft zum Geldsparen erhöht. Aber klar wurde auch: Wer von vertrauten Menschen umgeben ist, denkt seltener an den Kontostand.

jki

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