Menschliche Intelligenz Und es kommt doch auf die Größe an

Die Intelligenz könnte zumindest zum Teil von der Größe des Gehirns abhängen. Je raumgreifender das Denkorgan, desto höher ist die sprachliche Intelligenz - zumindest bei Frauen und rechtshändigen Männern, wie eine Untersuchung jetzt ergab.


Ein Einfluss der Gehirngröße auf die Intelligenz wird unter Wissenschaftlern immer wieder diskutiert. Frühere Studien lieferten allerdings widersprüchliche Ergebnisse: Einige bestätigten eine höhere Intelligenz bei größeren Gehirnen, andere fanden lediglich einen Zusammenhang zwischen der sogenannten grauen Substanz und der Intelligenz. Wieder andere konnten überhaupt keinen Einfluss des Gehirnvolumens nachweisen.

Gehirn-Modell: Größe kann verbale Intelligenz beeinflussen
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Gehirn-Modell: Größe kann verbale Intelligenz beeinflussen

Problematisch bei all diesen Untersuchungen ist allerdings die exakte Bestimmung der Gehirngröße. Zwar ist eine Abschätzung mithilfe bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie möglich, die Ergebnisse sind jedoch umstritten. Andererseits kann die deutlich genauere Messung nach dem Tod eines Menschen meist nicht verwertet werden, weil es keine Informationen über dessen Intelligenz zu Lebzeiten gibt.

Kanadische Forscher erhielten jetzt von 100 unheilbar Kranken die Erlaubnis, nach ihrem Tod die Gehirne zu untersuchen und mit den Ergebnissen verschiedener Intelligenztests zu vergleichen. Das Ergebnis: Bei Frauen war die Gehirngröße ein wesentlicher Faktor für die sogenannte verbale Intelligenz, zu der unter anderem Sprachgefühl, eine gute Auffassungsgabe für Gesprochenes und Kreativität beim Umgang mit Sprache gehören.

Das gleiche galt für männliche Rechtshänder, nicht aber für Linkshänder. Das sei ein Hinweis darauf, dass die sprachliche Intelligenz bei Männern stärker in einer Hirnhälfte konzentriert sei als bei Frauen, folgern die Forscher um Sandra Witelson von der McMaster University in Hamilton. Die räumliche Vorstellungskraft hing bei Frauen ebenfalls von der Gehirngröße ab, allerdings nicht so ausgeprägt wie die sprachliche.

Bei Männern fanden die Forscher dagegen überhaupt keinen Zusammenhang zwischen räumlicher Intelligenz und Hirngröße. Ein weiterer Unterschied zwischen den Geschlechtern war die Größenveränderung mit dem Alter, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Brain". So nahm das Hirnvolumen bei Männern im Alter deutlich ab, bei Frauen war dieser Effekt jedoch praktisch nicht vorhanden.

Diese Ergebnisse stützen nach Ansicht der Forscher die schon früher geäußerte These, dass viele Dinge in den Gehirnen von Männern und Frauen völlig unterschiedlich verarbeitet werden.



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