Maya-Archäologie Pyramide unter Pyramiden entdeckt

Matrjoschka-Puppe aus Stein: In Mexiko haben Archäologen unter der berühmten Kukulcán-Pyramide von Chichén Itzá eine weitere Plattform gefunden. Es ist bereits die dritte.

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Die Kukulcán-Pyramide in Chichén Itzá dürfte eines der beliebtesten Fotomotive von Mexiko-Touristen überhaupt sein. Wohl kein Bauwerk der Maya ist bekannter, höchstens die architektonisch eher bescheidenen Anlagen direkt an der Karibikküste von Tulum sowie die Tempel I und IV in Tikal können es noch mit El Castillo aufnehmen. Und das auch nur dank eines Auftritts in "Star Wars".

Die dreißig Meter hohe Stufenpyramide besticht durch ihre besondere Symmetrie, das hat sie sogar zum Objekt in Werbefilmen gemacht. Doch das Bauwerk mit vier Treppen besteht aus deutlich mehr, als sichtbar ist. Denn nun haben Archäologen eine weitere Pyramide entdeckt, die unter der heute sichtbaren verborgen ist. Bereits früher hatten sie eine solche Struktur gefunden, die nun neu aufgespürte liegt noch einmal darunter und ist etwas kleiner.

Den Fund machte das Team um Denisse Lorenia Argote mit dem speziellen geoelektrischen Verfahren, das dreidimensionale Bilder produziert. Das ERT-3D ist eine Methode, die Einblicke in den Untergrund erlaubt, ohne dass es zu einer Grabung kommen muss. Sie wird etwa auch in der Geologie angewendet, um die Erdkruste zu erforschen.

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Auf diese Weise entdeckten die Forscher unter der schon bekannten Substruktur eine weitere. Sie fanden ein etwa 13 Meter hohes Gebäude - mit einer Fläche von zwölf mal 18 Metern. Vermutlich ist das Bauwerk zwischen 550 und 800 nach Christus entstanden. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Experten mit der Technik entdeckt, dass El Castillo einst vermutlich auf einer Cenote oder einem unterirdischen Wasserlauf gebaut wurde.

Ob es irgendwann einmal eine Ausgrabung zu den Substrukturen geben wird, ist nicht bekannt. "Die archäologische Erschließung ist aber wichtig, um etwas über die früheren Einwohner von Chichén Itzá zu erfahren", sagt Argote vom Instituto Nacional de Antropologia e Historia (INAH).

Der Archäologe Geoffrey Braswell von der University of California hat selbst in Chichén Itzá gegraben, war aber nicht an der aktuellen Kampagne beteiligt. Er schließt nicht aus, dass die Substruktur bisher unbekannt war, gibt aber zu bedenken, dass bereits in den Vierzigerjahren ein Archäologe von einer dritten Plattform der Kukulcán-Pyramide berichtet haben soll.

"Der damals angelegte Suchtunnel war aber wohl sehr instabil, deshalb wissen wir sehr wenig über diese Plattform", sagt er. Zudem sei die dritte Plattform nicht symmetrisch zu den anderen beiden ausgerichtet. Die Bilder des ERT-3D scheinen das zu bestätigen.

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Braswell vergleicht die berühmte Pyramide zu Ehren des gefiederten Schlangengotts mit einer russischen Matrjoschka-Puppe - in jeder Holzfigur befindet sich eine kleinere. Aber auch er hält die Ausgrabung der Struktur für wichtig. "Es könnte sein, dass es sich um eines der ältesten Gebäude in Chichén Itzá handelt."

Auch René Chávez Segura vom Institut für Geophysik der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko hält eine Erschließung für relevant. Laut seinen Angaben verfüge die Struktur über eine Treppe, zudem könnte einst ein Altar auf der obersten Plattform gestanden haben, wie es bei vielen Mayatempeln der Fall war.

Die zweite schon länger bekannte Struktur im Inneren von El Castillo besteht ebenfalls aus neun Plattformen - genau wie die außen sichtbare Pyramide. Sie ist durch einen seitlichen Tunnel zu erreichen, den Archäologen einst gegraben hatten, um ins Innere der Pyramide zu kommen. Für Besucher ist er allerdings gesperrt.

Dass unter einer Pyramide eine oder gleich mehrere ältere Strukturen vorhanden sind, ist besonders in der Maya-Archäologie nichts Ungewöhnliches. Durch die immer weiter voranschreitende Entwicklung bis hin zum kulturellen Höhepunkt der Maya-Stadtstaaten gegen Ende des ersten Jahrtausends hatten die Konstrukteure sich immer wieder mit höheren und größeren Gebäuden übertroffen. Die älteren Pyramiden wurden in den engen Zentren dann einfach überbaut. Für Archäologen ist gerade der Vergleich zwischen den einzelnen Strukturen spannend - verrät er doch etwas über die unterschiedlichen Besiedlungsphasen einer Ortschaft.

joe/AP

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
joerge11 17.11.2016
1. Pyramiden bergen noch Geheimnisse
Wer aufmerksam die Diskussionen über dieses Thema verfolgt, der merkt schon einige Merkwürdigkeiten. Eine Frage ist, mit welchen mathematischen Berechnungen die Pyramiden erbaut wurden. Eine weitere ist, welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Pyramiden; denn Pyramiden gibt es weltweit. In Bosnien wurde eine entdeckt, aber für die internationale Forschung ist es gar keine sondern beruht allein auf einer PR Aktion. Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Eine dritte Frage wäre, welche unterirdischen Gänge es gibt und warum es elektrische Felder bzw. elektrische Eigenarten gibt. Letztlich fragt es sich, ob die angegebenen Baudaten stimmen. Manche Forscher halten die Pyramiden für wesentlich älter und zwar als Überbleibsel der Anlantikkultur, über die ja Rudolf Steiner im Detail berichtet hatte.
Uzala 17.11.2016
2.
Kurz geschaut, wer dieser Rudolf Steiner war. Dann war mir klar, was ich von Ihrem Post zu halten habe... Unabhängig davon finde ich es sehr interessant, über solche Themen zu lesen. Gerne mehr davon, liebe Wissenschaftsredaktion! :)
varlex 17.11.2016
3. immer wieder
Interessant, wie wenig von manchen Kommentatoren den alten Völkern zugetraut wird. Die Majas konnten himmelsbewegungen berechnen, somit ist die simple mathematik, der hinter solch einer Pyramide steckt eher eine Leichtigkeit. Das eine Pyramide eine beliebte Form war, liegt wohl zum einen daran, dass es eine geometrische Grundform ist und schlicht statisch sehr stabil, wenns besonders groß werden soll.
Tiananmen 18.11.2016
4.
Zitat von joerge11Wer aufmerksam die Diskussionen über dieses Thema verfolgt, der merkt schon einige Merkwürdigkeiten. Eine Frage ist, mit welchen mathematischen Berechnungen die Pyramiden erbaut wurden. Eine weitere ist, welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Pyramiden; denn Pyramiden gibt es weltweit. In Bosnien wurde eine entdeckt, aber für die internationale Forschung ist es gar keine sondern beruht allein auf einer PR Aktion. Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Eine dritte Frage wäre, welche unterirdischen Gänge es gibt und warum es elektrische Felder bzw. elektrische Eigenarten gibt. Letztlich fragt es sich, ob die angegebenen Baudaten stimmen. Manche Forscher halten die Pyramiden für wesentlich älter und zwar als Überbleibsel der Anlantikkultur, über die ja Rudolf Steiner im Detail berichtet hatte.
Das ist das Merkmal von Merkwürdigkeiten, dass man sie merkt ;- ) Die abgelutschten Dummheiten über eine "Anlantikkultur" werden dadurch nicht wahrer, dass man sie dauernd wiederkäut. Und dass sich heute noch jemand auf Steiner bezieht, wenn es um frühe(re) Kulturen geht, das ist schon, naja, wie soll ich sagen: ignorant? Nix für ungut.
Honk 18.11.2016
5. Die Form...
...birgt kein Geheimnis: Lasst Sand auf den Boden rieseln und es entsteht ein Kegel, für Baumeister sehr verlockend. Quadratisch zu bauen ist leichter als rund oder anders-eckig, eine gerade Linie ist schnell gesetzt und ein Lot auf ihr gelingt mit Schnur und Pflock jederzeit, das gilt ebenso für das Baumaterial Stein. Lasst den Esoterikern und Irrationalisten bitte ihre Spielwiesen, da können sie wenigstens kein Unheil anrichten. Es gibt auch andere Auswüchse von geistigen Krampfanfällen, wie gerade weltweit zu besichtigen ist.
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