Millionen Tote WHO hält globale Seuche für unvermeidbar

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält eine verheerende Vogelgrippe-Pandemie für unausweichlich. Wann die weltweite Seuche ausbricht, sei nur noch eine Frage der Zeit. Selbst im besten Fall sei mit zwei bis sieben Millionen Toten zu rechnen.

Bangkok - "Es gibt keinen Zweifel, dass eine Pandemie ausbrechen wird", sagte Klaus Stohr, Koordinator des WHO-Grippeprogramms, in Bangkok. 25 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung könnten betroffen sein. "Selbst im optimistischsten Szenario gehen Schätzungen von zwei bis sieben Millionen Toten und Milliarden Erkrankten aus." Lediglich der Zeitpunkt des Ausbruchs sei noch unklar. "Wir müssen ab sofort darauf vorbereitet sein", betonte Stohr.

Grippe-Pandemien treten normalerweise alle 20 bis 30 Jahre auf, wenn ein Erreger mit einem dermaßen veränderten Erbgut auftritt, dass das menschliche Immunsystem keinen Schutz aufgrund früherer Infektionen bietet. "Seit 36 Jahren hat es keine Pandemie mehr gegeben, so dass wir wahrscheinlich kurz vor einer neuen stehen", sagte Stohr. Eine Influenza-Pandemie würde überall auf der Welt auftreten. "Jedes Land wäre betroffen." Zudem könnte das Eingrenzen einer Seuche in Zeiten grenzenloser Mobilität ein praktisch unmögliches Unterfangen sein, wie jüngst auch ein international viel beachtetes mathematisches Modell deutscher Forscher gezeigt hat.

US-Firmen arbeiteten derzeit an einem Impfstoff gegen den Vogelgrippe-Virus H5N1, sagte Stohr. Dieser werde aber frühestens im März nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Im Winter und im Frühling, wenn die Krankheit sich besonders schnell ausbreite, seien die Menschen in Asien daher ungeschützt.

Am stärksten von der Vogelgrippe betroffen waren in diesem Jahr bislang Thailand, Vietnam und China. Mehrere Millionen Geflügeltiere wurden dort getötet, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Bislang wurde die Vogelgrippe nur durch infiziertes Geflügel an Menschen übertragen. Experten befürchten aber, dass der Virus mutieren und auch andere Tiere befallen könnte, die den Menschen dann kontaminieren könnten.

Im vergangenen Jahrhundert hat es drei Pandemien gegeben. Die folgenschwerste war die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 bis zu 40 Millionen Menschen tötete, etwa die Hälfte von ihnen waren junge Erwachsene. Die Asiatische Grippe von 1957 forderte weltweit rund 700.000 Todesopfer. 1968 folgte die Hongkong-Grippe, die Schätzungen zufolge etwa eine Millionen Menschen tötete.

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