Mimik Software erkennt Gefühle am Gesichtsausdruck

Glücklich, wütend, angeekelt: Fast alle Menschen drücken Gefühle über die gleiche Mimik aus. Forscher haben ein Computerprogramm entwickelt, das Gefühlsregungen an der Mimik ablesen kann. Es könnte Autisten helfen, Emotionen zuverlässiger zu deuten.
Komplexer Gesichtsausdruck: Von "freudig angeekelt" bis "traurig wütend"

Komplexer Gesichtsausdruck: Von "freudig angeekelt" bis "traurig wütend"

Foto: Ohio State University

Freudige Überraschung, traurige Wut, ängstlicher Ekel: Selbst für komplexe Gefühle nutzen die meisten Menschen offenbar ähnliche Mimiken. US-Forscher haben ein Modell entwickelt, das 21 verschiedene Gesichtsausdrücke recht zuverlässig erkennt. Das Modell könnte etwa bei der Diagnose und Behandlung von Problemen wie Autismus, Schizophrenie oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) eingesetzt werden, berichten Forscher um Aleix Martinez von der Ohio State University in Columbus in den"Proceedings of the National Academy of Sciences". 

Bislang haben Forscher nur die Gesichtsausdrücke zu sechs Gefühlen untersucht - glücklich, traurig, ängstlich, wütend, überrascht und angeekelt. Diese Zahl haben die Forscher mehr als verdreifacht. "Wir haben eine starke Übereinstimmung darin gefunden, wie Menschen ihre Gesichtsmuskeln bewegen, um 21 Gefühlskategorien auszudrücken", wird Martinez in einer Mitteilung der Universität zitiert. "Das ist einfach verblüffend. Es bedeutet, dass fast jeder Mensch diese 21 Emotionen auf die gleiche Art ausdrückt, zumindest in unserer Kultur."

Die Forscher konfrontierten zunächst 230 Männer und Frauen mit jeweils einem Satz zu verschiedenen Gefühlen - etwa: Sie riechen einen üblen Geruch. Dabei fotografierten sie die Gesichter. Anschließend analysierten sie die rund 5000 Aufnahmen auf typische Veränderungen der Mimik. Am Ende fanden sie 21 Gefühle und Gefühlsverbindungen, die mit typischen Gesichtern einhergingen.

Gefühle sicher erkennen

So ging etwa die Mimik für "glücklich" bei 99 Prozent der Teilnehmer mit hochgezogenen Wangen und dem Verbreitern des Mundes zu einem Lächeln einher. Bei "überrascht" öffneten 92 Prozent der Menschen ihre Augen weit und ließen auch den Mund offen. Bei der Gefühlsverbindung "glücklich überrascht" öffneten 93 Prozent die Augen weit, zogen zudem die Wangen hoch, verbreiteten den Mund und ließen ihn offen. Selbst widersprüchliche Emotionen ließen sich so zuordnen: "Freudig angeekelt" kombiniert etwa ein angedeutetes Lächeln mit einer gerümpften Nase.

Insgesamt identifizierte das erstellte Computerprogramm die sechs Grundgefühle zu 97 Prozent richtig. Bei den 15 Gefühlsverbindungen lag die Zuverlässigkeit noch bei 77 Prozent. Mit dem Modell könnten etwa Autisten lernen, die Gefühle anderer Menschen besser zu erkennen, betonen die Forscher. Auch Computerprogramme könne man so auf eine neue Komplexitätsstufe stellen.

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jme/dpa
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