Missglückter Psychotrick Schlecht fühlen mit positivem Denken

Denk doch mal positiv! Diese beliebte Aufforderung kann auch nach hinten losgehen, haben US-Psychologen herausgefunden. Gerade Menschen mit einem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein, denen Autosuggestion eigentlich helfen soll, profitieren nicht davon. Im Gegenteil.

Autosuggestion soll wahre Wunder bewirken. Man müsse sich nur auf Sätze wie "Ich bin eine liebenswerte Person" konzentrieren, und schon gelinge das Leben, empfehlen diverse Ratgeber. Doch das sogenannte positive Denken kann auch kontraproduktiv sein. Ausgerechnet Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein, denen die Technik eigentlich helfen soll, hilft es nicht, wenn sie sich immer wieder einreden, eine liebenswerte Person zu sein.

Sie fühlen sich sogar schlechter als ohne die Selbstsuggestion, wie US-Psychologen jetzt nachgewiesen haben. Besser sei es, sich auf ganz konkrete Eigenschaften der Betroffenen zu konzentrieren und statt stark verallgemeinerter Statements diese hervorzuheben, schreiben Joanne Wood von der University of Waterloo und ihre Kollegen im Fachmagazin " Psychological Science ".

Die Forscher analysierten in ihrer Studie Aussagen, die laut einer Reihe von Ratgeberbüchern das Selbstbewusstsein stärken und eine positive Einstellung zum Leben fördern sollen. Daraus wählten sie gezielt den Satz "Ich bin eine liebenswerte Person" aus, weil die Fähigkeit, sich selbst zu lieben, ein wesentlicher Bestandteil eines guten Selbstbewusstseins ist. In einer Reihe von Tests untersuchten sie dann, ob und wie die Aussage die Stimmung und die Gefühle von Freiwilligen beeinflusste.

Dazu teilten sie die Teilnehmer in eine Gruppe mit großem und in eine mit eher wenig ausgeprägtem Selbstbewusstsein ein. Beide Gruppen bekamen dann unter anderem die Aufgabe, ihre Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen, Fragen zu beantworten und anzugeben, ob sie gerne an verschiedenen angenehmen Aktivitäten teilnehmen würden. Ein Teil der Probanden hörte dabei alle 15 Sekunden einen Gong und sollte sich dann jeweils selbst den Satz "Ich bin eine liebenswerte Person" vorsagen.

Die Auswertung zeigte: Bei den Teilnehmern mit gering ausgeprägtem Selbstbewusstsein verschlechterte das Aufsagen des Satzes messbar die Stimmung, den Optimismus und die Bereitschaft, an Aktivitäten teilzunehmen. Leute mit gutem Selbstbewusstsein profitierten dagegen zwar leicht von der Autosuggestion, der Effekt war jedoch nicht besonders ausgeprägt.

Die Forscher deuten das Ergebnis so: Vermutlich habe der Satz bei denjenigen, die ohnehin schon an sich zweifelten, Beispiele des eigenen Verhaltens ins Gedächtnis gerufen, die überhaupt nicht der Aussage entsprachen. Eine solche Aussage könne Diskrepanzen zwischen dem eigenen Verhalten und intern angestrebten Standards hervorheben, etwa "Ich bin zwar liebenswürdig, aber nicht so liebenswürdig, wie ich sein könnte". Dazu komme noch, dass Menschen dazu neigten, an einem einmal geschaffenen Selbstbild festzuhalten, selbst wenn es negativ sei. Dadurch entstehe unbewusst ein Widerstand.

Das Fazit der Forscher: Die Ergebnisse zeigten, dass gerade diejenigen, die eine Verbesserung ihres Selbstwertgefühls am nötigsten bräuchten, am wenigsten von derartigen Techniken profitierten. Es sei konstruktiver, konkretere Aussagen zu verwenden, die dem eigenen Charakter entsprechen wie etwa "Ich bin gut darin, schöne Geschenke auszusuchen", als sehr allgemeine Formulierungen wie "Ich bin eine großzügige Person".

lub/ddp