Drogen Liebe Leserin, lieber Leser,


falls Sie in Ihrer Jugendzeit leichtsinnig genug waren, psychoaktive Substanzen auszuprobieren, dann wissen Sie vielleicht, wie es sich anfühlt, wenn Körper und Geist vollständig unter die Herrschaft einer chemischen Besatzungsmacht geraten. Der Berauschte sieht und hört nur noch, was die überrumpelte Hirnchemie ihm vorgaukelt; sein ganzes Sinnen und Trachten unterliegt dem Diktat der Wirkstoffe, die in seiner Blutbahn kreisen. Er verwandelt sich, könnte man sagen, in eine biochemisch gesteuerte Maschine.

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Heft 40/2019
Warum die Ukraine-Affäre Donald Trump das Amt kosten kann

Ein Beispiel dafür, wie gründlich eine solche Verwandlung gelingen kann, bieten offenbar die sagenhaften Berserker des Mittelalters. Von diesen nordischen Kriegern erzählten die Zeitgenossen sich unfassbare Geschichten. Die Berserker kannten, so hieß es, keinerlei Furcht in der Schlacht, sie stürzten sich in jedes Gemetzel, schrecklich heulend, blind vor Raserei - und kaum mehr imstande, Freund von Feind zu unterscheiden.

Die Forschung sucht schon lange nach einer Erklärung für den speziellen Ausnahmezustand, in den diese menschlichen Kampfmaschinen offenbar verfielen. Erste Hinweise lieferten die Symptome, wie sie in historischen Quellen beschrieben werden: Die Berserker schlotterten angeblich oft vor Kälte; ihre Zähne klapperten; wie im Rausch bissen sie in ihre Schilde. Die Gesichter der wunderlichen Krieger waren rot und geschwollen. Dieses Außersichsein konnte wohl an die 24 Stunden lang anhalten. Danach sanken die Erschöpften für Tage in einen Zustand der Benommenheit.

The Norse Berserker Warriors

Etliche Forscher haben deshalb als Ursache den berauschenden Genuss von Fliegenpilzen vermutet. Deren Wirkung passt aber wohl nur auf einen Teil des berserkerhaften Verhaltens. Die aggressive Tobsucht sei nicht typisch für den Fliegenpilz, argumentiert nun der slowenische Botaniker Karsten Fatur. Er sieht im Schwarzen Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, einen weit besseren Kandidaten für pharmakologisch gesteuertes Ausrasten. Nicht von ungefähr war dieses giftige Nachtschattengewächs vor Jahrhunderten auch als Hexenkraut oder Teufelswurz bekannt: Es ruft starke Wahnbilder hervor.

Zudem dämpft es, anders als der Fliegenpilz, das Schmerzempfinden - gewiss von Vorteil beim mittelalterlichen Hauen und Stechen. Früher wurde das Bilsenkraut nicht nur als Rauschmittel, sondern auch als schmerzstillende Arznei und Narkotikum verwendet. Wegen ihrer schwer beherrschbaren Giftwirkung kam diese chemische Keule der Naturmedizin jedoch mit der Zeit außer Gebrauch - so wie auch die schwer beherrschbare Berserkerei technisch effizienteren Methoden der Kriegführung wich.

Herzlich

Ihr Manfred Dworschak

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insgesamt 18 Beiträge
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Logivor 28.09.2019
1. Verwandlung in eine biochemische Maschine:
eine etwas komische schlussfolgerung, dass erst der konsum von psychedelika uns in ein kausales gefühe zwingt... habe noch nie gelesen/gehört, dass der genuss psychoaktiver substanzen die Seele/Freiheit aus dem körper treibt. Das dürfte dann ein nicht chemisch/physikalischer prozess sein... so etwa wie mit der wasserinformation in der homöopathie? ernsthaft: entweder wir sind die summe biochemischer prozesse, oder wir sind es nicht. aber daran verändert doch eine pflanze nichts. Korrektur wäre angebracht
Senf-o-Mat 28.09.2019
2. Bilsenkraut
Dass Fliegenpilze die Berserker zur Raserei brachte, ist tatsächlich nicht sehr wahrscheinlich. Bilsenkraut ist allerdings, wie auch andere sog. Nachtschattendrogen (die alle sehr ähnlich wirken), allerdings noch unwahrscheinlicher, um nicht zu sagen ausgeschlossen. Ich habe früher selbst mit diesen Pflanzen experimentiert und weiß also, wovon ich rede. Ich habe habe viele verschiedene Drogen ausprobiert und keine macht so vollkommen plan- und hilflos wie diese. Wer unter Einfluss von Bilsenkraut, Tollkirsche oder Stechapfel in eine Schlacht zieht, wird mit 100-prozentiger Sicherheit sterben. Man sieht Menschen und Monster, die nicht da sind und hat keine Kontrolle darüber, gleichzeitig glaubt man alles, was man sieht. In diesem Zustand irgendeine Tätigkeit zu verrichten, außer dazusitzen oder verwirrt in der Gegend herumzuirren, ist vollkommen unmöglich. Auch niedrige Dosierungen sind nicht hilfreich, die bewirken lediglich einen trockenen Mund, Sehstörungen und ein Vergiftungsgefühl. Nachtschattendrogen sind interessant für Schamanen, aber definitiv keine Partydrogen und ganz sicher kein Doping für Krieger. Das wird Jeder bestätigen, der sie einmal genommen hat. Den Umgang mit LSD kann man erlernen und davon profitieren, beim Bilsenkraut und seinen Verwandten kann man das völlig vergessen, keine Chance.
sparrenburger 28.09.2019
3. komische Theorie
Wirkt Bilsenkraut nicht halluzinogen. Und das soll im Kampf von Vorteil sein ? lch hab da Zweifel.
Senf-o-Mat 28.09.2019
4. Nachtrag
Es gibt eine synthetische, "BZ" genannte Substanz, die den Wirkstoffen von Bilsenkraut & co ähnelt, sowohl chemisch als auch in der Wirkungsweise (wobei die Wirkung noch länger anhält) und die tatsächlich für den Einsatz im Krieg gedacht war. Allerdings nicht als Doping, sondern als sog. psychotoxischer Kampfstoff, d. h. siie sollte über einer feindlichen Armee versprüht werden, um die Soldaten für drei Tage kampfunfähig zu machen - sofern sie sich in ihrem Wahn nicht gegenseitig erschießen. Damit ist wohl alles gesagt.
willibaldus 28.09.2019
5.
Ich gehe davon aus, dass die Berserker nicht einfach irgendwas eingeworfen haben und dann in die Schlacht gestürmt sind. Die haben sich mit Sicherheit gemeinsam den ganzen Tag davor darauf eingestimmt, eingeschworen, sich gegenseitig heiss gemacht. Das nicht unterscheiden können zwischen Freund und Feind in der Schlacht spricht schon für ein vermindertes Beurteilungsvermögen und vielleicht auch Halluzinationen. Es gibt die Theorie einer Art Autosuggestion mit auslösendem Moment wie beissen in den Schild. Die Wirkung eines so induzierten Zustandes passt zu den Beschreibungen. Eine Unterstützung mit Ritualen zum einschwören und leichten Drogen ist da nicht unwahrscheinlich. Ich meine mich erinnern zu können, dass das Berserkertum irgendwann in verschiedenen Gebieten verboten wurde und mit der Christianisierung verschwand. Könnte sein, dass es da noch einen religiösen Aspekt gab.
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