Computersimulation Warum wir monogam leben

Im weitaus größten Teil der westlichen Gesellschaft leben die Menschen monogam. Forscher haben nun eine Theorie entwickelt, warum das so ist.
Magazinwerbung aus den Fünfzigerjahren

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Foto: Blue Lantern Studio/ Corbis

Früher ging es manchmal hoch her, so ist es in unzähligen historischen Quellen zu lesen. Selbst in der Bibel verteilte etwa Abraham seine Liebe großzügig unter gleich mehreren Damen, um die Nachkommenschaft zu sichern. Und auch anderswo in der Menschheitsgeschichte durften Männer mehrere Frauen heiraten, mit ihnen leben und Kinder zeugen. Wohl kaum einer hätte sich an der Vielweiberei gestört - so ist es in einigen Gesellschaften schließlich noch heute.

Doch zumindest im allergrößten Teil der westlichen Welt setzte sich irgendwann die Monogamie durch, die Treuebeziehung zwischen Mann und Frau kam in Mode. Warum es dazu gekommen ist, haben nun Forscher aus Kanada und Deutschland in einer Computersimulationen ergründet.

Die Wissenschaftler glauben, dass sexuell übertragbare Krankheiten mit zur Herausbildung monogamer Gesellschaften beigetragen haben. Dies schließen sie aus Computersimulationen, welche die Bevölkerungsentwicklung und den Einfluss von Infektionskrankheiten darauf abbilden. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachblatt "Nature Communications" vor .

Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien

Als die Landwirtschaft aufkam und die Menschen sesshaft wurden, setzte sich in einigen Gemeinschaften die Monogamie als soziale Norm durch - und zwar sehr erfolgreich. Ein Großteil des weltweiten Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahrhunderte gehe auf solche monogamen Gruppen zurück, schreiben Chris Bauch von der University of Waterloo in Kanada (Provinz Ontario) und Richard McElreath vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Warum die Monogamie in diesen Gemeinschaften entstand, war bisher noch weitgehend unklar. Mit Computersimulationen haben die Forscher nun ihre These von sexuell übertragbaren Krankheiten als Ursache untersucht. Sie fütterten ihre Modelle mit Angaben zur Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in kleinen und größeren Gruppen sowie mit Daten zur Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten. Außerdem gaben sie dem Modell bestimmte Vorgaben, etwa wie sich unter verschiedenen Umständen Paare bilden oder wie viel Nachwuchs sie bekommen.

Die Simulationen stützen folgende Theorie: Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien-Infektionen führten häufig zu Unfruchtbarkeit und können damit die Entwicklung einer Population entscheidend beeinflussen. In kleineren Gruppen mit nicht mehr als 30 Erwachsenen verschwänden solche Infektionskrankheiten relativ schnell wieder, da weitere Ansteckungskandidaten fehlten. Sie hätten mithin kaum Folgen für die Sozialstruktur solcher Gemeinschaften.

Dauerproblem in den Städten

In größeren Gruppen, wie sie mit den sesshaften bäuerlichen Gemeinschaften entstanden, würden sexuell übertragbare Krankheiten hingegen schnell zum Dauerproblem. Unfruchtbarkeit nehme zu, was die Menschen mit nur einem Sexualpartner letztlich begünstigte.

Die Verbreitung ansteckender Krankheiten könne die Entwicklung sozialer Normen erheblich beeinflussen, erläutert Bauch in einer Mitteilung seiner Universität. Soziale Normen seien jedoch ein komplexes Phänomen. Vermutlich gebe es mehrere Mechanismen, die Monogamie gefördert hätten. Die Abnahme häuslicher und anderer Konflikte als Folge monogamer Beziehungen hätten vermutlich ebenfalls monogame Gruppen gestärkt.

joe/dpa
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