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Wohin mit Verpackungen?: Alternativen zur gelben Tonne

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Mülltrennung in Deutschland Die gelbe Revolution

Die meisten Deutschen werfen ihren Müll brav in die gelbe Tonne. Doch ergibt die Trennung von Wertstoffen überhaupt Sinn? Ein neues Gesetz soll jetzt die Abfallwirtschaft revolutionieren. SPIEGEL ONLINE stellt Alternativen zum Sortier-Wahn vor.
Von Nora Somborn

Für viele Deutsche ist Mülltrennen der Inbegriff von Umweltbewusstsein. Auf die Frage, was sie persönlich für die Umwelt tun, nennen 65 Prozent die Mülltrennung an erster Stelle. Mülltrennen gibt ein gutes Gefühl. Alte Verpackungen werfen die pflichtbewussten Bürger in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack, damit sie recycelt werden. Sperrmüll lassen sie abholen, und spezielle Abfälle wie Elektrogeräte bringen sie zum Recyclinghof. Biomüll kommt in die braune Tonne, Altpapier in die blaue. Und für den Rest bleibt die graue Tonne. Deren Inhalt landet meist in der Verbrennungsanlage.

Doch wie sinnvoll ist der deutsche Sortier-Wahn?

Müll

Das derzeitige System ist mehr als umstritten: Selbst sorgfältige Hausfrauen werfen den oft in die falsche Tonne. In Städten gibt es beim gelben Sack teilweise hohe Fehlwurfquoten. Und mit dem Restmüll werden viele Stoffe verbrannt, die viel zu schade dafür sind.

Nun steht dem Entsorgungsmarkt eine Revolution bevor. Denn ein neues Abfallgesetz könnte das Müllsystem bald ändern, zumindest was die gelbe Tonne betrifft. Bis Dezember muss die Bundesregierung das bisherige Gesetz an die Vorgaben der Europäischen Union anpassen (siehe Kasten).

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Gelber Sack: Ein System hat sich überholt

In den neunziger Jahren begann es mit viel gutem Willen: Millionenfach wurden gelbe Säcke an deutsche Haushalte verteilt. Damit sollten mehr Wertstoffe aus dem Müll gefischt werden, um daraus wieder neue Produkte herzustellen. Organisiert wird die Sammlung und Sortierung vom Dualen System Deutschland (DSD).

Gerne brüstet sich das DSD mit vermeintlichen Vorteilen für den Umweltschutz: Mit dem Recycling von rund 2,6 Millionen Tonnen gebrauchter Verkaufsverpackungen hat das DSD 2008 nach eigenen Angaben den Ausstoß von Klimagasen reduziert, die 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Das ist etwa so viel, wie 630.000 kleinere Autos in einem Jahr erzeugen. "Wir haben die Standards gesetzt, die es im Recycling in Deutschland heute gibt", sagt DSD-Sprecher Norbert Völl. Deutschland sei Weltmeister im Recycling.

So schön die Bilanz aussieht, die gelbe Tonne hat einige Tücken.

Problem Nummer eins: Die meisten Verbraucher wissen gar nicht, welche Abfälle in die Tonne gehören. Viele werfen einfach alle Arten von Plastik, Verbundstoffen und Metallen hinein. Die gelbe Tonne ist aber nur für Verpackungen, deren Hersteller beim DSD angemeldet sind und bezahlt haben. Das kann eine Shampoo-Flasche aus Plastik sein - aber auch eine Schnapsflasche aus Steingut.

Auch auf den grünen Punkt ist kein Verlass. Der kleine grüne Pfeil auf Joghurtbechern und anderen Verpackungen gibt lediglich an, dass der Hersteller Geld für die Entsorgung bezahlt hat. Auch Verpackungen aus Glas, die in den Glascontainer gehören, oder Pappverpackungen, die ins Altpapier müssen, tragen den Grünen Punkt.

Wie kompliziert das deutsche Trennsystem ist, zeigt sich am Inhalt der Mülltonnen: Während die gelben Säcke in ländlichen Gebieten teilweise vorbildlich gepackt sind, gibt es in Städten oft große Probleme. Mancherorts beträgt die Fehlwurfquote bis zu 50 Prozent, wie Untersuchungen des Umweltbundesamts belegen. 

Problem Nummer zwei: Die gelben Säcke werden nicht flächendeckend in den einzelnen Ländern genutzt. In Teilen von Bayern und Baden-Württemberg werden überhaupt keine gelben Säcke verteilt. In München beispielsweise müssen die Bürger ihren Müll ähnlich wie Glasabfälle zu Sammelcontainern bringen oder sie direkt zum Wertstoffhof fahren. Das ist aufwendig - und nicht gerade umweltfreundlich. Denn die meisten fahren dorthin mit dem Auto.

Problem Nummer drei: In den Restmülltonnen verschwinden viele wertvolle Stoffe, denn besonders in den Städten machen nicht alle beim Recycling mit. Einer Umfrage des Entsorgers Reclay von 2009 zufolge trennen bundesweit zwar 80 Prozent der Deutschen Verpackungen. Doch in Großstädten ist das keine Selbstverständlichkeit: In Hamburg etwa werden Verkaufsverpackungen nur von jedem zweiten Bewohner sortiert. Damit gelangen viele wertvolle Recycling-Schätze in die Restmülltonne. Darüber freuen sich allein die Besitzer von Müllverbrennungsanlagen, die Probleme haben, genügend Müll für ihre zahlreichen Anlagen zu finden .

Das DSD bestreitet solche Ergebnisse. "Die Trenndisziplin des Verbrauchers ist keinesfalls rückläufig", sagt Michael Heyde, Leiter der Abteilung Technik und Entwicklung beim DSD. Außerdem sei so mancher Abfall, der fälschlicherweise in der gelben Tonne lande, wie etwa eine Plastikschüssel, gut zu verwerten und mache keinerlei Probleme bei der Sortierung. Störende Stoffe wie Altkleider, DVDs oder Windeln würden nur einen geringen Anteil im gelben Sack ausmachen.

Nicht alle Firmen lassen ihre Verpackungen registrieren

Indes kämpft das DSD mit anderen Schwierigkeiten, darunter der Finanzierung des Systems. Theoretisch sind die Unternehmen verpflichtet, Geld für Verpackungen zu bezahlen, die sie in Umlauf bringen. Dazu müssen sie die Menge der Verpackungen anmelden und entsprechend hohe Beiträge abführen. Insgesamt 1,6 Milliarden Euro werden jährlich ausgegeben, um Verpackungen über die gelbe Tonne zu entsorgen.

Doch längst nicht alle Firmen lassen ihre Verpackungen ordnungsgemäß registrieren: Nach eigenen Angaben entsorgt das DSD bis zu 20 Prozent mehr Verpackungen, als seine Kunden angemeldet haben - was letztlich dazu führte, dass dem DSD bereits einige Male der Untergang prophezeit wurde.

Bis 2001 hatte das DSD das absolute Monopol auf dem deutschen Markt und verdiente Milliarden mit dem Recycling. Die Europäische Union forderte aber Wettbewerb, und so kamen weitere kleinere Duale Systeme auf den Markt. 2004 übernahm dann der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KRR) die Mehrheit am DSD  . Geld, das durch deutschen Müll verdient wird, geht seither an die amerikanische Heuschrecke.

Vom guten Willen der Gründerjahre ist beim DSD längst nichts mehr geblieben. Dauerhaft ist nur seine Machtposition als Privatunternehmen unter Staatsschutz. Das Recht, Verpackungen zu entsorgen, ist allein den Dualen Systemen vorbehalten.

Fazit:

Vorteile gelbe Tonne: Das System ist etabliert und hat teilweise zum Umweltschutz beigetragen.

Nachteile gelbe Tonne: Welche Abfälle in die gelbe Tonne dürfen, verstehen die wenigsten.

Projekt Wertstofftonne: Mehr Müll für den gelben Sack

Eine viel diskutierte Alternative zur gelben Tonne ist die sogenannte Wertstofftonne. Dabei handelt es sich im Prinzip nur um eine aufgemöbelte gelbe Tonne. Zusätzlich zu den Leichtverpackungen dürfen hier auch "stoffgleiche Nichtverpackungen" herein - etwa eine Quietscheente aus der Badewanne. Das kleine Plastiktier ist inzwischen zum Symbol für die Wertstofftonne geworden. Aber auch Bratpfannen sowie kleinere Elektrogeräte wie Haartrockner oder Rasierapparate können mit in die Tonne aufgenommen werden.

In Deutschland gab es schon in einigen Städten Modellprojekte mit Wertstofftonnen. Das Duale System Deutschland (DSD) und der Entsorger Alba haben 2004 in der gesamten Stadt Leipzig und 2005 in einigen Geschosswohnungsbauten im Land Berlin einen Testversuch unter dem Namen "Gelbe Tonne plus" gestartet. In Hamburg hat die Stadtreinigung 2006 in drei Stadtteilen ein ähnliches Projekt unter der Bezeichnung "Hamburger Wertstofftonne" begonnen.

Alle drei Modellprojekte sind nach Angaben der Betreiber erfolgreich. Mit den neuen Tonnen lassen sich anscheinend mehr Wertstoffe aus dem Müll schöpfen. Der Vergleich beider Tonnen hatte ergeben, dass die "Gelbe Tonne plus" mehr Verpackungen, mehr trockene Wertstoffe und auch mehr Elektroschrott enthält. Mit nur 1,2 Kilogramm pro Einwohner und Jahr mag die Menge an Elektroschrott zwar gering erscheinen. Doch für den Umweltschutz ist gerade dieser interessant, da er viele kostbare Edelmetalle enthält. Im gelben Sack landeten dagegen nur 0,1 Kilogramm Elektroschrott pro Einwohner und Jahr (siehe Grafik in der Fotostrecke).

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Traurige Bilanz

Nebenbei offenbarten die Modellprojekte deutlich, was in den normalen gelben Tonnen landet - Daten, mit denen das DSD normalerweise nicht gerade freizügig umgeht. In den Geschosswohnungsbauten in Berlin werden demnach pro Einwohner und Jahr insgesamt nur rund 16 Kilogramm im gelben Sack gesammelt. Davon sind der Großteil Restmüll, Papier und trockene Wertstoffe. Leichtverpackungen - für die der gelbe Sack eigentlich gemacht ist - machen nur knapp 40 Prozent des Inhalts aus. Eine traurige Bilanz.

Das ausgefeilteste Sortiersystem bringt gar nichts, solange die Verbraucher es nicht verstehen - oder gar bewusst boykottieren. Genau daran könnte auch die Wertstofftonne kranken.

Die Betreiber der Pilotprojekte sind dennoch von ihren Tonnen überzeugt. In Leipzig gibt es die "Gelbe Tonne plus" inzwischen ganz regulär. Auch die Stadtreinigung Hamburg möchte bald nachziehen: "Wir sind entschlossen, unser neues Sammelsystem in ganz Hamburg aufzubauen", sagt der Sprecher der Stadtreinigung, Reinhard Fiedler. Viele andere Städte wie Dortmund und Frankfurt am Main zeigen ebenfalls Interesse an der neuen Tonne.

Privatfirmen beharren auf Privilegien

Auch für die schwarz-gelbe Bundesregierung ist die Wertstofftonne der klare Favorit. Schon im Koalitionsvertrag ist festgelegt, dass sie als Alternative geprüft werden soll, und auch im vorläufigen Entwurf zum neuen Abfallgesetz hat sie einen festen Platz (siehe Kasten links). Die Bundesregierung wird damit ermächtigt, die Wertstofftonne zu einem späteren Zeitpunkt flächendeckend einzuführen.

Wie das neue Müllsystem finanziert werden soll, ist aber noch völlig offen. Ein Streit zwischen Privatunternehmen und kommunalen Entsorgern ist bereits entbrannt. Bisher sind das DSD und die anderen privaten Dualen Systeme für die Verpackungen zuständig, die Kommunen für den restlichen Müll. Die Kommunen würden sich gerne um den gesamten Müll kümmern. Die Privatunternehmen beharren aber auf ihren Privilegien. In Berlin hat der Senat den Müllkrieg in dieser Woche per Anordnung beendet und dem privaten Entsorger Alba offiziell untersagt, weiterhin Wertstoffe aus dem Müll zu einzusammeln - das vorläufige Aus für die "Gelbe Tonne plus" in Berlin.

Fazit:

Vorteile Wertstofftonne: Mit der Wertstofftonne lassen sich mehr Abfälle recyceln als mit der gelben Tonne. Kleinere Elektrogeräte müssen nicht extra zum Recyclinghof gebracht werden.

Nachteile Wertstofftonne: Wenn die Bürger nicht mitmachen, enden immer noch zu viele Wertstoffe in der Restmülltonne. Und die Finanzierung ist völlig unklar.

Projekt Nass/Trocken: Nur noch zwei Tonnen

Der Abfallwissenschaftler Klaus Wiemer von der Universität Kassel kämpft schon lange gegen die gelbe Tonne. Sein Argument: Zu viele wertvolle Abfälle endeten in der Restmülltonne. Dass nur Verpackungen in die gelbe Tonne dürfen, hemme ein sinnvolles Recycling.

Von rund 2,6 Millionen Tonnen verbrauchten Verpackungskunststoffen im Jahr müsse das DSD laut Gesetz nur weniger als eine Million Tonnen Kunststoffe tatsächlich wieder zu neuen Kunststoffen recyceln, kritisiert Wiemer. Der Rest müsse entweder gar nicht erst getrennt erfasst werden - oder dürfe auch als Energiequelle in Müllheizkraftwerken verwertet werden. Verglichen mit insgesamt rund 13 Millionen verbrauchten Kunststoffen im Jahr in Deutschland sei das Recycling lächerlich.

Auch er nennt die Quietscheente, die doch viel zu schade zum Verbrennen sei. Anstatt sie in eine aufgemöbelte "Gelbe Tonne plus" zu werfen, möchte Wiemer aber lieber das ganze System ändern. Er favorisiert das Projekt "Trockene versus nasse Tonne", ein relativ simples System: Der Müll wird danach getrennt, wie feucht er ist. Der trockene Müll soll sortiert und wiederverwertet werden, der nasse Müll soll zur Energiegewinnung dienen. Denn feuchte Abfälle zu trennen, sei viel schwieriger, "weil sie aneinanderkleben", sagt Weimer.

"Die Zusammenarbeit mit dem DSD gestaltet sich schwierig"

Die Stadtreinigung Kassel hat das System bereits getestet. Davon war das DSD alles andere als begeistert und konnte durchsetzen, dass die Stadtreiniger die gelben Säcke in der Versuchszeit weiterhin abholen mussten, obwohl sie eigentlich überflüssig waren. "Die Zusammenarbeit mit dem DSD gestaltet sich ziemlich schwierig", sagt Stefan Stremme von der Stadtreinigung Kassel.

Der Versuch endete kürzlich, die endgültige Auswertung der Ergebnisse ist für den Herbst angekündigt. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gab Stremme aber schon eine erste Einschätzung. Technisch sei das Projekt gut umgesetzt worden, das System habe sich bewährt: "Die Sortierung funktioniert." Allerdings habe die Beteiligung der Bevölkerung am neuen System etwas zu wünschen übriggelassen: Besonders in Gebieten mit Hochhausbebauung hätten die Bewohner oft den falschen Abfall in die Tonnen geworfen.

Wiemer ist trotzdem davon überzeugt, dass sich das Recycling in Deutschland nur wesentlich verbessern lässt, wenn neue Ideen eine Chance bekommen.

Fazit:

Vorteile Trockene/Nasse Tonne: Wertstoffe, die bisher noch im Restmüll enden, könnten vor der Müllverbrennungsanlage gerettet werden. Und man hätte weniger Tonnen im Vorgarten.

Nachteile Trockene/Nasse Tonne: Die Idee funktioniert nur, wenn die Bürger richtig sammeln - doch dabei gibt es offenbar Probleme.

Projekt Gelb in Grau: Eine Tonne weniger

Bei Mertesdorf in der Nähe von Trier gibt es einen Recyclinghof, der den Großen der Branche gar nicht gefällt: Max Monzel, Geschäftsführer des kommunalen Abfallentsorgers ART Trier, betreibt hier seit April 2009 eine Versuchsanlage, die Wertstoffe aus dem Hausmüll fischen kann - ohne dass die Bürger diesen vorher sortiert haben. Den gelben Sack hält Monzel für überflüssig. Mit der Kampagne "Gelb in Grau" möchte er zeigen, dass Maschinen den Müll besser trennen als die Verbraucher.

Bis zu 20 Prozent des Mülls in der Restmülltonne seien gut wiederverwertbar und zu schade zum Verbrennen. Zwei Monate lang hat Monzel im November und Dezember 2009 den Restmüll von 230.000 Einwohnern mit dem Inhalt ihrer gelben Säcke vermischt und ihn dann von der Versuchsanlage wieder voneinander trennen lassen. "Das Nachsortieren funktioniert technisch ohne Probleme", sagt er. Aus dem Müll könne ein zu rund 97 Prozent reines Kunststoffgemisch gewonnen werden.

Der Trick der mechanisch-biologischen Trocknungsanlage (MBT) : Mikrobakterien trocknen den Müll, bevor die verschiedenen Materialien voneinander getrennt werden. So wird verhindert, dass der Abfall aneinander festklebt. Begleitet wird der Versuch von Wissenschaftlern um Thomas Pretz von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Die endgültige Auswertung soll in Kürze erfolgen.

Bereits ein Vorversuch 2004 in kleinerem Maßstab hatte gezeigt, dass die Müllsortierung technisch möglich ist. Und sie soll, das hatte eine Schätzung ergeben, rund acht Prozent der Gesamtkosten für die Müllentsorgung in Trier einsparen.

"Man muss das Beste aus dem Abfall machen"

"Es muss ein Umdenken stattfinden", sagt Monzel. "Abfallwirtschaft muss heißen, das Beste aus dem Abfall zu machen - unabhängig von den Interessen etwaiger Systeme." Im Ausland ist das Modellprojekt auf Interesse gestoßen, Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern haben die Anlage in Trier schon besichtigt.

So erfolgversprechend sich Monzels Projekt anhört, so wenig wird es von den Bundesämtern und anderen Entsorgern beachtet. Bei einer Studie des Wirtschaftsministeriums zu alternativen Müllsystemen  wird das Projekt nur am Rande erwähnt. Ein Vertreter des Umweltbundesamtes weist auf ein mögliches Problem der gemeinsamen Sammlung von Restmüll und Wertstoffen hin: Die guten Wertstoffe könnten den Restmüllgestank annehmen. Besonders Kunststoffe seien bekannt dafür, schnell Geruch aufzunehmen. Vor kurzem wurde in Wiesbaden ein weiterer Modellversuch für die gemeinsame Verwertung von Restmüll und gelbem Sack kurzfristig abgeblasen - die Kosten seien zu hoch, hieß es aus dem Landesumweltministerium.

Ob die Sortieranlage aus Trier das Abfallsystem wirklich revolutionieren wird, ist deshalb fraglich.

Fazit:

Vorteile Gelb in Grau: Wertstoffe in der Restmülltonne lassen sich maschinell trennen - die Bürger müssen nicht mehr selbst sortieren. Vor dem Haus stünden weniger Tonnen.

Nachteile Gelb in Grau: Alles wird vermischt, es gibt keine extra Tonne für eklige Abfälle mehr, und die Wertstoffe könnten anfangen zu stinken.

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