Beziehungsfähigkeit Wie Mütter das Liebesglück ihrer Kinder beeinflussen

Wer lange und stabile Beziehungen führt, kann sich dafür wohl auch bei der eigenen Mutter bedanken. Sie hat laut einer neuen Studie großen Einfluss auf die Zahl der Partner ihrer Kinder.
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Eine neuen Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Plos One"  veröffentlicht wurde, legt einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der eigenen Lebenspartner und denen der Mutter nahe. So gebe die Mutter wichtige Persönlichkeitsmerkmale an ihre Kinder weiter, die es wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen, dass sie in ihrem Leben stabile und lang andauernde Beziehungen führen, schreiben die Forscher.

"Wir haben festgestellt, dass Mütter über bestimmte Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster verfügen, die darüber entscheiden, wie attraktiv sie für Partner sind", sagt Claire Kamp Dush, Leitautorin der Studie und Dozentin für Humanwissenschaften und Soziologie an der Ohio State University in Columbus. "Kinder lernen und verinnerlichen diese und können sie in ihr eigenes Handeln in Beziehungen integrieren." Dazu zählten etwa die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen oder Probleme zu lösen.

Beziehungen der Eltern prägen Kinder ein Leben lang

Dass ein Zusammenhang zwischen der Beziehungsfähigkeit der Eltern und denen der Kinder besteht, haben in der Vergangenheit schon andere Untersuchungen gezeigt. So sind die späteren Ehen von Scheidungskindern im Schnitt weniger stabil, viele Heranwachsende prägt die Trennung der Eltern ihr ganzes Leben lang .

Die neue Studie beschäftigte sich nun detaillierter mit den Ursachen dieses Phänomens und berücksichtigte nicht nur Verheiratete, sondern auch fest verpartnerte Beziehungen. Dazu werteten die US-Forscher Langzeitdaten aus. Ein erster Satz enthielt Daten von mehr als 12.600 Personen, die seit 1979 mindestens alle zwei Jahre zu ihrer Beziehungssituation befragt wurden.

Ein zweiter Datensatz ab 1986 enthält die gleichen Daten von deren biologischen Kindern. Als die Erhebung in den Vereinigten Staaten vor knapp vierzig Jahren begann, war die Auswahl der beteiligten Personen landesweit repräsentativ. Dies gelte aufgrund der demografischen Entwicklung nun für heute nicht mehr, fügen die Forscher einschränkend hinzu. Eine Aussage zur Bindungsfähigkeit von Vätern und ihrer Auswirkung auf die Kinder, trifft die Studie nicht.

Dennoch bergen die beiden Langzeitdatensätze für Kamp Dush und ihr Team einen Schatz an Informationen und Untersuchungsmöglichkeiten. Eine Frage war, ob Kinder sich später häufiger die Partner wechseln, wenn sie bei ihren Eltern eine Trennung miterlebt haben. Diese Hypothese bestätigte sich allerdings nicht.

"Unsere Untersuchungen zeigten allerdings, dass Mütter offenbar so etwas wie Beziehungsfähigkeiten und -fertigkeiten an die Kinder weitergeben" sagt Kamp Dush. Wenn schon die Mutter zu häufigem Partnerwechsel tendierte, würden die Kinder die Verhaltensmuster, die mit dazu geführt haben, im Laufe der Zeit erlernen und daher mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst auf ähnliche Art Beziehungen führen.

Dies bestätigte ein Vergleich von Halbgeschwistern derselben Mutter. Das eine Geschwisterkind hatte die Trennung der Mutter vom ersten Partner miterlebt, das zweite Kind nicht. Dennoch hatten beide Geschwister später ähnlich viele Partner - unabhängig davon, wie viele Trennungen sie persönlich miterlebt haben und beobachten konnten. Ausschlaggebend sei also offenbar, welche Verhaltensweisen die Mutter an ihre Kinder weitergebe, sagt Kamp Dush. "Im Guten, wie im Schlechten."

stu