Multiple Sklerose Weibliches Hormon hilft Patienten

Sollte das neue Medikament zukünftig positive Ergebnisse erzielen, könnte es Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, das Leben weitaus leichter machen. Statt schmerzvolle Injektionen über sich ergehen zu lassen, müssten Patienten nur noch Pillen einnehmen.


Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Nervensystems: Die Krankheitsherde liegen sowohl im Rückenmark, als auch im Gehirn. Die Markscheiden im Nervensystem schwinden, Erkrankte leiden zunächst unter vorübergehenden Sehstörungen, im weiteren Verlauf treten Lähmungserscheinungen auf.

Multiple Sklerose: Betroffene leiden im Verlauf der Krankheit unter Lähmungen
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Multiple Sklerose: Betroffene leiden im Verlauf der Krankheit unter Lähmungen

Die Untersuchungen der David Geffen School of Medicine der Universität von Kalifornien, Los Angeles, untersuchten zwölf Frauen, bei denen die Krankheit verschiedenartig stark ausgeprägt war. Allen Patienten wurde Dosen des Hormons Östriol verabreicht. Dabei handelt es sich um eine schwächere Variante des weiblichen Sexualhormons Östrogen. Östriol wird meist nur in den Körpern schwangerer Frauen produziert.

In der Vergangenheit hatten an MS erkrankte Frauen, die gerade schwanger waren, berichtet, dass sich ihr Zustand innerhalb der neuen Monate gebessert habe. Daher gingen die Mediziner davon aus, dass Östriol eventuell eine lindernde Wirkung auf die MS Symptome haben könnte.

Den zwölf Patientinnen wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten Östriol-Pillen verabreicht. Es folgte eine Pause von ebenfalls einem halben Jahr, bevor die Therapie für vier Monate fortgesetzt wurde. Währenddessen überwachten die Forscher die MS-geschädigten Regionen im Gehirn: Bei sechs der Frauen zeigten sich deutliche Besserungen, auch Tests der kognitiven Fähigkeiten fielen besser aus als vor der Therapie. Bei den restlichen vier Frauen, die sich in einem fortgeschrittenerem Stadium von MS befanden, zeigte sich keine Besserung.

Die Wissenschaftler glauben, dass Östriol in Zukunft im Kampf gegen MS zum Einsatz kommen wird. Für das Hormon-Präparat spräche vor allem, dass es natürlichen Ursprungs sei, so die Forscher.



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