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Konservierte Körper: Die kopflose Tote von Schloss Sommersdorf

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Konservierte Körper Rätsel um Kindermumie auf Schloss Sommersdorf

Unter großen Schmerzen starb Luise Freifrau von Kniestätt 1690 im Wochenbett. 320 Jahre später untersuchen Forscher ihren mumifizierten Körper. Doch wer ist das Kleinkind, das neben ihr bestattet wurde? In den adligen Chroniken ist es nicht verzeichnet.
Von Hendrik Behrendt

Fieberstöße und quälende Unterleibschmerzen müssen die letzten Tage im Leben der Luise Freifrau von Kniestätt in ein Martyrium verwandelt haben. Schließlich starb sie vollkommen entkräftet im Alter von 42 Jahren, wenige Tage nach der Totgeburt ihres achten Kindes, am Wochenbettfieber. In einem Wehrgang des fränkischen Schlosses Sommersdorf wurde sie kurze Zeit später beigesetzt.

Rund 320 Jahre später stehen Wilfried Rosendahl und Albert Zink am offenen Sarg der Verstorbenen. Für die beiden Wissenschaftler sind die sterblichen Überreste von hohem Interesse, denn der Körper der Freifrau verweste nicht. "Die klimatischen Bedingungen in diesem Raum und ein steter Luftzug haben dafür gesorgt, dass die Leiche rasch austrocknete und auf natürliche Art mumifizierte" sagt Rosendahl. "Ihr guter Erhaltungszustand ermöglicht uns einen Blick in die Vergangenheit."


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Terra X, "Welt der Mumien", Sonntag, 19.30 Uhr, ZDF

Unter dem alten Adelssitz haben mehrere Tote ihre letzte Ruhestätte gefunden, die allesamt mumifizierten. So auch die Leiche eines Kleinkindes, das neben der Freifrau beigesetzt wurde. Seine Identität lässt sich in den Chroniken der Blaublüter nicht nachweisen; nur so viel steht fest: Kopf und Unterarme fehlen. Doch welches Kind liegt hier im Sarg? Und wie kam es zu den Verstümmelungen?

Die Mumienexperten Zink und Rosendahl möchten versuchen, diese Fragen zu beantworten. Zunächst soll geklärt werden, ob es sich bei der weiblichen Leiche um das Kind handelt, nach dessen Geburt die Freifrau starb. Für eine Genanalyse nimmt Anthropologe Zink daher vorsichtig Gewebeproben beider Mumien.

"Besonders in Knochen ist das Erbgut häufig auch nach Jahrhunderten noch gut erhalten" sagt Zink. Um die Mumien nicht zu stark zu beschädigen, sucht er nach locker sitzenden Fragmenten und wird im offenen Brustbereich und im Rücken der Mumien fündig. Die Knochenstücke kommen in sterile Verpackungen und sollen später in Zinks Labor im italienischen Bozen ausgewertet werden.

Wilfried Rosendahl will mehr über die Verletzungen wissen, er bringt die Kindermumie nach Mannheim. Im dortigen Uniklinikum soll eine computertomografische Untersuchung Klarheit bringen. In wenigen Minuten entstehen mehrere Zehntausend Aufnahmen der ungewöhnlichen Patientin, die in eine 3D-Ansicht des Körpers umgerechnet werden.

Mumie als Kinderspielzeug?

Vieles deutet darauf hin, dass die Verletzungen nach dem Tod des Kindes zugefügt wurden. Wilfried Rosendahl hat dafür eine Theorie. "Grüfte waren keine versiegelten Räume. Es ist gut möglich, dass im Laufe der Jahrhunderte Kinder dort mit der kleinen Mumie gespielt haben, da sie sie für eine Puppe hielten." Dabei könnten die Gliedmaßen und der Kopf abgetrennt worden sein. Eine schaurige Vorstellung, die zeigt, wie sehr sich der Umgang mit Verstorbenen im Laufe der Jahrhunderte geändert hat.

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In Bozen analysiert Anthropologe Albert Zink die Gewebeproben der beiden Mumien. In einem kleinteiligen Verfahren extrahiert er Erbgut aus den Knochenzellen und kann schließlich einen Vergleich der Proben durchführen. Das Ergebnis der Untersuchung fällt überraschend aus: Das Mädchen ist nicht mit der Freifrau von Kniestätt verwandt. Weitere Analysen werden derzeit durchgeführt, um endlich zu erfahren, wer die kopflose Tote ist.

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