Mysteriöser Air-France-Absturz Tauchroboter sollen Airbus-Wrack aufspüren

Die ungefähre Absturzstelle des Air-France-Flugzeugs vor Brasilien ist bekannt - jetzt beginnt die schwierige Suche nach der Black Box. Frankreich schickt ein Spezialschiff mit zwei Tiefsee-U-Booten: Die Tauchgeräte sollen den Flugschreiber in der Tiefsee mit ihrem Sonar orten.

Hamburg - Wird der Airbus-Absturz bald aufgeklärt? Französische Spezialschiffe befinden sich bereits auf dem Weg zur Unglücksstelle im Atlantik.Sie haben auch U-Boote an Bord, die Tausende Meter tief tauchen können. Das Wrack am Meeresboden könnte so möglicherweise gefunden werden.

Die Aufgabe ist ambitioniert: An der Absturzstelle ist der Atlantik mindestens 3.000 Meter tief. Wie lange aber brauchen Experten, um einen roten Schuhkarton - den Flugschreiber, auch Black Box genannt - auf dem Meeresboden zu finden und nach oben zu bringen?

Im Januar 2004 waren es zwei Wochen. So viel Zeit war zwischen dem Absturz einer ägyptischen Chartermaschine über dem Roten Meer und der Bergung der Flugschreiber vergangen. Die beiden roten Kisten lagen in 1.030 Meter Tiefe vor der Küste des Badeortes Scharm al-Scheich. 148 Menschen waren bei dem Unglück ums Leben gekommen. Damals waren es die beiden französischen Tauchroboter "Super Achille" und "Scorpio 2.000", welche die Black Boxes aufspürten, mit Greifarmen packten und zur Wasseroberfläche brachten.

In den nächsten Tagen könnten zwei andere französische Tauchgeräte eine ähnliche Aufgabe erledigen. Nach dem mysteriösen Absturz des Air-France-Flugzeugs Hunderte Kilometer vor der Küste Brasiliens hat die französische Regierung ein ganz besonderes Schiff zur Absturzstelle geschickt.

Die "Pourquoi Pas" des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer hat gleich zwei U-Boote an Bord, die in einer Tiefe bis zu 6.000 Metern nach Wrackteilen und dem Flugschreiber suchen sollen: den Tauchroboter "Victor 6.000" und die bemannte dreisitzige "Nautile". Auf ihnen ruhen nun die Hoffnungen der Flugunfallforscher und auch der Angehörigen der Opfer. Sie alle wollen wissen: Wie konnte ein nur wenige Jahre alter Airbus, ausgerüstet mit modernster, mehrfach gegen Ausfall abgesicherter Technik, einfach so abstürzen?

Die Antwort könnten vor allem die Flugschreiber liefern, auf denen die Cockpitgespräche und wichtige Flug- und Instrumentendaten der letzten Minuten vor dem Crash gespeichert sind. Es gibt keinen Notruf der Besatzung, nur Hinweise auf heftige Gewitter und technische Probleme an Bord zum Zeitpunkt des Unglücks.

Die Aufgabe für die französischen Bergungsspezialisten ist denkbar schwierig: Sie müssen erst einmal das Wrack oder die Wrackteile auf dem Boden des Atlantik ausfindig machen. Die Absturzstelle ist aber nur ungefähr bekannt. Die einzigen Hinweise bislang sind Kerosinspuren und einige kleinere Wrackteile, die von Suchflugzeugen entdeckt worden waren.

Suche allein mit Schallwellen

"Man muss zuerst die Absturzstelle eingrenzen", sagt Friedrich Abegg, Experte für Tauchroboter am Kieler Forschungsinstitut IFM-Geomar. Diese Region könne dann mit einem Schiffsonar von der Wasseroberfläche aus großflächig abgesucht werden. "Der A330 ist kein ganz kleines Flugzeug", meint Abegg, der das Team des Tauchroboters "ROV Kiel 6.000" leitet, der bis zu 6.000 Meter tief tauchen kann. Wegen der Größe des Wracks sollte man es auch in 3.000 bis 4.000 Metern Tiefe von einem Schiff aus finden können, glaubt der Experte.

Zum Suchen eignet sich allein ein Sonar, das Schallwellen aussendet und deren Echo dann ausgewertet wird. Gelegentlich von Wracksuchern genutzte Magnetometer sind im Falle der vermissten Maschine ungeeignet. Die Geräte messen Anomalien im Magnetfeld auf dem Meeresboden - hervorgerufen etwa durch dort liegende Schiffswracks aus Eisen. "Die Suche mit einem Magnetometer ist relativ sinnlos", erklärt der Kieler U-Boot-Fachmann, "weil ein Flugzeug überwiegend aus nichtmagnetischen Materialien besteht, wie Aluminium und Kunststoff".

Ist das Wrack erst einmal geortet, kommt die Stunde der U-Boote. Sie können den Meeresboden rund um das Wrack ebenfalls mit einem Sonar abtasten - aber viel detaillierter. "Für einen Quadratkilometer Meeresboden braucht ein Tauchroboter etwa drei Tage", sagt Abegg. Die Auswertung der Daten dauere etwa noch einmal so lang.

Mit einer Kamera ist in Tiefen von mehreren tausend Metern dagegen kaum etwas zu holen. Es ist stockfinster, selbst mit Lampen beträgt die Sichtweite nur wenige Meter. Fotos oder Videos gelingen nur, sofern die Tauchroboter nah genug am Wrack sind. Mit einem Greifarm können Wrackteile oder die gesuchten Flugschreiber dann gepackt und an die Meeresoberfläche befördert werden. Es gibt übrigens weltweit nur etwa zehn Tauchroboter, die eine Bergung in diesen Tiefen durchführen können.

Unterseeische Gebirge, die es in der Region des Absturzes gibt, können die Suche nach dem Airbus zusätzlich erschweren. "Das Wrack könnte in Tälern oder Spalten schwer zu finden sein", sagt Abegg. Sein Kollege Sven Petersen glaubt, dass die Reste des Flugzeugs aber trotzdem gefunden werden sollten: "Moderne Fächerecholote haben eine Auflösung, die dezimetergenau ist", sagt der Meeresgeologe vom IFM-Geomar.

Dass Wrackteile durch die Strömung weit weggedriftet sind, glaubt Petersen nicht: "Die Strömungsgeschwindigkeit liegt im Normalfall unter einem Meter pro Sekunde." Gerade größere Wrackteile würden schnell zu Boden sinken. "Einen Radius von einigen hundert Metern halte ich für realistisch, je nach Größe, Gewicht und Material der Trümmer. Die Strömung am Meeresboden im offenen Atlantik sollte kein Hindernis für die Suche oder Bergung sein."

Die französische Luftfahrtermittlungsbehörde BEA zweifelt hingegen daran, dass die beiden Flugschreiber der abgestürzten Air-France-Maschine im Atlantik jemals gefunden werden. "Theoretisch" könnten die Flugschreiber zwar den Wasserdruck in bis zu 6000 Metern Tiefe aushalten und dank der von ihnen ausgesendeten Signale geortet werden, sagte eine BEA-Sprecherin. "Aber so tief ist noch nie eine Black Box gefunden worden." BEA-Leiter Paul Louis Arslanian wies zudem auf die von Unterwasserbergen zerklüftete Absturzregion hin. Er sei deshalb "nicht besonders zuversichtlich".

mit Material von AFP und dpa
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