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Voynich-Manuskript: Rätsel aus dem Mittelalter

Foto: Beinecke Rare Book & Manuscript

Mysteriöses Buch Voynich-Manuskript könnte echte Botschaft enthalten

Bislang sind alle Versuche gescheitert, das rätselhafte Voynich-Manuskript zu entschlüsseln. Ein Forscher berichtet nun, die Mittelalterschrift ähnele einer natürlichen Sprache und müsse daher inhaltliche Aussagen enthalten. Er ist nicht der Erste, der das behauptet.

Ist es ein raffiniert verschlüsseltes Werk? Oder hat sich der Autor einen Scherz erlaubt und Schriftzeichen sinnlos aneinandergereiht? Das Voynich-Manuskript lässt Kryptologen wie Sprachforscher schon seit Jahrzehnten verzweifeln.

Nun hat Marcello Montemurro von der University of Manchester eine neue Untersuchung des mysteriösen Mittelaltertextes vorgelegt. Die Verteilung der Wörter über die 102 Blätter sei vergleichbar mit der in natürlichen Sprachen, schreibt Montemurro im Fachblatt "PLOS one"  Demnach könnte der Text tatsächlich echte Botschaften enthalten. Welche das sein sollen, weiß der Forscher freilich nicht, denn er hat nur die Textstruktur untersucht.

Der amerikanische Antiquar Wilfried Voynich hatte die Schrift 1912 in einem italienischen Jesuitenkolleg gefunden und gekauft. Wahrscheinlich ist das Werk zwischen 1450 und 1520 entstanden, wie Experten aufgrund der Kleidung und des Haarschnitts von im Buch abgebildeten Menschen vermuten.

Die Texte im Manuskript erinnern an eine fremde Sprache. Neben Buchstaben, die aus dem Arabischen und dem Lateinischen entlehnt sind, erscheinen darin auch völlig unbekannte Schriftzeichen. Hinzu kommen diverse Illustrationen - angefangen bei Pflanzen und Motiven aus der Astronomie bis hin zu badenden Frauen. Über den Inhalt wurde viel spekuliert: Sind es Informationen, die man vor der Inquisition geheim halten wollte? Oder Alchemie?

Montemurro hat den Text statistisch analysiert und sich dabei auf die Verteilung von Wörtern konzentriert. Er benutzte dafür eine digitale Variante des Manuskripts in der Transkription des European Voynich Alphabet (EVA). Die Analyse ergab, dass es wie in einer natürlichen Sprache Wörter gibt, die gleichmäßig verteilt über die gesamte Textlänge auftauchen. Es gibt aber auch Wörter, die nur in bestimmten Abschnitten zu finden sind - und dort zusammen mit anderen Wörtern stehen, die nirgendwo sonst verwendet werden.

Diese nur in Clustern auftretenden Wörter seien es auch, die in Texten aus natürlicher Sprache die meisten Informationen transportierten, erklärt Montemurro. Zudem habe man morphologische Ähnlichkeiten bei Begriffen entdeckt, die gemeinsam und nur in einem Abschnitt auftauchten. Dies sind zum Beispiel die Wörter sheedy, checkhy und quokeedy oder shy, chy, sho und chol (alle geschrieben in EVA-Transkription). "Der Text hat eine signifikante sprachliche Struktur", sagte Montemurro der Website BBC News .

Interessant sind auch inhaltliche Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen des Manukripts, die Montemurro gefunden hat. So ergab die Analyse, dass bestimmte Wörter sowohl im Abschnitt auftauchen, der mit Kräutern illustriert ist, als auch im als pharmakologisch bezeichneten Teil. Eine solche Verbindung habe man erstmals anhand der linguistischen Struktur belegen können, betonen die Forscher.

Der deutsche Kryptografie-Experte Klaus Schmeh ist von der Hauptaussage der neuen Untersuchung nicht überrascht: "Das ist eine weitere Studie, die zeigt, dass der Text Eigenschaften einer natürlichen Sprache hat." Es gebe bereits rund 25 linguistische Untersuchungen des Manuskripts. "Etwa 20 kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um so etwas wie eine natürliche Sprache handeln muss", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Man wisse jedoch nichts über die Sprache selbst.

Laut Schmeh sind verschiedene Erklärungen denkbar . Der Text könnte ein ungewöhnliches Verschlüsselungssystem nutzen. Er könnte in einer Kunstsprache verfasst sein. Oder der Autor war psychisch gestört, womöglich auch während des Schreibens in einem Trance-Zustand.

Es gibt auch Wissenschaftler, die das Manuskript für Schabernack halten - etwa der Linzer Physiker Andreas Schinner. "Es deutet vieles daraufhin, dass es sich um das Produkt eines Algorithmus handelt", meint Schinner. 2007 hatte er den Text mit der Methode eines sogenannten Random Walk analysiert. Schinner entdeckte im Text langreichweitige Korrelationen, die es in natürlichen Texten nach seiner Aussage nicht gibt. Für ihn ein eindeutiges Indiz dafür, dass es sich um einen Nonsenstext handelt.

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