Nach Betrugsskandal Hwang will jetzt wirklich klonen

Ein neues Labor, finanziert aus Privatmitteln, soll die Ehre retten: Der wegen Betrugs angeklagte Stammzellen-Forscher Hwang Woo Suk will jetzt jene Experimente durchführen, die sein Team bislang nur vorgetäuscht hatte - wenn er nicht vorher ins Gefängnis muss.


Er wurde als Nationalheld verehrt, sein Konterfei schmückte Briefmarken, und wenn er auftrat, jubelten ihm junge Frauen zu. Heute steht sein Name für einen der größten bekannt gewordenen Betrugsfälle der Naturwissenschaft.

Tiefer Fall: Ex-Nationalheld Hwang Woo Suk, zur Zeit wegen Betrugs vor Gericht, will sich mit neuer Forschung reinwaschen
AP

Tiefer Fall: Ex-Nationalheld Hwang Woo Suk, zur Zeit wegen Betrugs vor Gericht, will sich mit neuer Forschung reinwaschen

Nun will der südkoreanische Stammzellenforscher Hwang Woo Suk seine wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen - und damit möglicherweise einen Teil seines Rufs reinwaschen.

Hwang werde im Juli ein neues Labor in Seoul eröffnen, teilte sein Anwalt mit. Hwang glaube daran, dass er seine Ehre nur durch Forschungsleistungen wieder herstellen könne. Sein Mandant wolle sich daher wieder dem Klonen von Tieren und möglicherweise auch der Forschung an embryonalen Stammzellen widmen.

Bei den Ermittlungen gegen Hwang war bekannt geworden, dass seine angeblichen Erfolge beim Klonen menschlicher embryonaler Stammzellen Betrug waren. Nur einen Hund soll das Team des Forsches wirklich erfolgreich geklont haben.

Das Geld für das neue Labor habe der Wissenschaftler von privaten Sponsoren erhalten. Hwang wolle zahlreiche Mitglieder seines ehemaligen Teams einstellen. Dies ist insofern überraschend, als Hwang vor Gericht angedeutet hatte, von seinen eigenen Mitarbeitern hintergangen worden zu sein. Gleichzeitig hatte er aber die volle Verantwortung für die Betrügereien in seinem früheren Labor übernommen.

Der Wissenschaftler muss sich derzeit vor Gericht verantworten, weil er Millionen Forschungsgelder veruntreut und gegen das Bioethikgesetz verstoßen haben soll. Bei einer Verurteilung drohen Hwang bis zu zehn Jahre Haft, die einer Arbeit in seinem neuen Labor im Weg stehen würden.

stx/rtr



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.