Naturprodukt Kleider aus Hühnerfedern
Hühner zu Schafen, um Öl zu sparen: Mit Geflügelfedern wollen US-Wissenschaftler künftig Textilien herstellen, die sich wie Wolle oder Leinen anfühlen. Weniger synthetische Stoffe, lautet ihr Ziel.
Kostümen aus Mozarts "Zauberflöte" sehen die Kleider nicht ähnlich, wenngleich die Grundidee - Hühnerfedern zu Textilien - durchaus an den Gedanken eines Bühnenausstatters erinnern mag. Zwar werden auch diese Kleider aus Fasern hergestellt, die bei der Verarbeitung der Federn entstehen - gleichen aber eher gewöhnlichen Kleidungsstücken aus Wolle oder Leinen: Getarnte Feder-Kleider also. Diese hat eine Forschergruppe um Yiqi Yang von der University of Nebraska in Lincoln jetzt auf der Jahrestagung der American Chemical Society vorgestellt.
Die Wissenschaftler wollen den Ölverbrauch bei der Herstellung synthetischer Stoffe reduzieren, indem sie stattdessen auf Abfallprodukte aus der Landwirtschaft setzen. Auch mit Fasern aus Reisstroh wird bereits experimentiert. Federn bestehen aus Keratin, einem Eiweiß, das auch der Hauptbestandteil von Reptilienschuppen, Horn und Säugetierhaaren - und damit auch von Schafswolle - ist.
Der besondere Vorteil der Hühnerfedern liegt in ihrem Aufbau: Wabenartige Strukturen mit kleinen Lufteinschlüssen machen sie besonders elastisch und wärmedämmend. Das sind ideale Eigenschaften für die Wissenschaftler, die sie jetzt auf die neuen Textilfasern übertragen wollen. Das Material ist nicht nur "federleicht", sondern auch in Massen verfügbar: Billig sei das, meinen die Forscher, und nachhaltig, weil der Rohstoff ja nachwachse. Zudem seien die Kleider vollständig biologisch abbaubar.
Nicht nur Kleider aus Federn und Reisstroh kann sich das amerikanische Wissenschaftler-Team vorstellen, sondern auch Teppichböden, Autopolster und andere Baustoffe. Bis solche Produkte aber in den Handel kommen und das Huhn wirklich einen großen Schritt hin zur eierlegenden Wollmilchsau macht, werde es wohl noch einige Jahre dauern.
akh/ddp
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