Neandertaler Neue Genanalysen

Jüngste Untersuchungsergebnisse von Erbmaterial machen es nach Expertenmeinung immer unwahrscheinlicher, dass der Neandertaler ein Vorfahr des heutigen Menschen war.


Neandertaler bei der Jagd
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Neandertaler bei der Jagd

Bonn/Glasgow - Wissenschaftler der Universität Glasgow haben Erbgut-Abschnitte eines vor rund 29.000 Jahren gestorbenen Neandertaler-Kindes aus dem Nordkaukasus untersucht. Wie schon ihre deutschen Kollegen vor drei Jahren bei der Analyse eines im Rheinland gefundenen Neandertalers, so erhielten auch die britischen Forscher Hinweise, wonach die Abstammung des heutigen Menschen vom Neandertaler eher unwahrscheinlich ist. Das Team um den Genetiker William Goodwin stellt die Studie im britischen Fachmagazin "Nature" vor.

Die neueren Genanalysen wiesen deutlich darauf hin, dass der moderne Mensch nicht direkt mit diesem Urmenschen verwandt sei, sagte Hans-Eckart Joachim, Leiter der Abteilung Vorgeschichte am Rheinischen Landesmuseum in Bonn, wo der Neandertaler seit Jahren erforscht wird.

Für die weltweit erst zweite Veröffentlichung von Analysen der Neandertaler-Gene hatten die Forscher aus Glasgow und Stockholm Erbgut aus den "Zellkraftwerken" (Mitochondrien) der Rippenknochen des Neandertaler-Kindes entnommen. Dabei waren beide Untersuchungen zu dem identischen Ergebnis gekommen, dass das Genmaterial deutliche Unterschiede zu heute lebenden Menschen aufweist. Dies ließe darauf schließen, dass die vor rund 25.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler nichts zum Genbestand heutiger Menschen beigetragen haben.

Möglicherweise seien die gemeinsamen Nachkommen beider Menschenarten unfähig zur eigenen Fortpflanzung gewesen, meinte Joachim: "Warum sollte ein Homo sapiens eine Neandertalerin nicht attraktiv finden?" Nun sei es notwendig, weitere DNA-Analysen besonders an den Neandertaler-Fossilien zu wagen, die im Nahen Osten gefunden worden seien, wo Neandertaler und die Vorfahren der modernen Menschen besonders lange in der gleichen Region gelebt hätten.



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