Neue Daten Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch

Die deutsche Bevölkerung schrumpft rapide: Laut neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts kamen 2009 rund 30.000 Babys weniger zur Welt als im Vorjahr. Das Elterngeld konnte die Entwicklung nicht stoppen.
Prognose für 2020: Rot zeigt steigende, blau fallende, grün stagnierende Einwohnerzahl.

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Foto: BBR

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2009 kamen hierzulande 651.000 Kinder zur Welt - rund 30.000 Kinder weniger als 2008, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das entspricht einer Abnahme von 3,6 Prozent.

Die steigende Lebenserwartung konnte den Bevölkerungsschwund kaum bremsen. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Zahl der Sterbefälle nur geringfügig um 0,2 Prozent auf 842.000. Die Differenz fiel also negativ aus: 2009 gab es rund 190.000 mehr Todesfälle als Geburten. Im Jahr davor war dieses Saldo mit 168.000 noch deutlich kleiner ausgefallen. Damit bestätigt sich, was sich bereits im Januar angedeutet hatte: Die Einwohnerzahl in Deutschland ist demnach unter 82 Millionen gefallen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) begründete den Geburtenrückgang damit, dass es in Deutschland weniger Frauen im gebärfähigen Alter gebe. Allein in den vergangenen vier Jahren sei die Zahl der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Deutschland um mehr als eine halbe Million gesunken. Die gute Nachricht sei, dass die Geburtenrate, also die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau, in Deutschland weitgehend stabil bleibe, betonte die Ministerin. Dies zeige, dass es auf die richtigen Rahmenbedingungen ankomme.

Die Bundesregierung setze bei ihrer Unterstützung für Familien daher weiter auf das Elterngeld und den Ausbau der Kinderbetreuung, erklärte Schröder. "Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird kommen", sagte die Ministerin. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse die Politik den Menschen helfen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Schröder bekräftigte, richtigen Rahmenbedingungen für Familien schaffen zu wollen: "Nur wenn die stimmen, entscheiden sich die Menschen dafür, Kinder zu bekommen."

Einwanderer-Geburten bremsen den Rückgang

Deutschland steht mit seiner schrumpfenden Bevölkerung nicht allein. In allen Ländern Europas sind die Geburtenraten zu niedrig, um die gegenwärtige Bevölkerungszahl zu halten. Das zeigen Zahlen von Anfang 2009. Als ein Hauptgrund für die Kinderarmut auf dem Kontinent gilt die immer längere Ausbildung junger Erwachsender - so sehen das zumindest die Experten des Max- Planck-Instituts für demografische Forschung. Deshalb schöben viele Paare ihren Kinderwunsch auf; viele setzten ihn dann nicht mehr um.

Positiv wirkten sich nach Ansicht der Wissenschaftler Einwanderer aus, sie bekämen mehr Kinder als die angestammte Bevölkerung Europas: In acht ausgewählten Ländern (Niederlande, Großbritannien, Portugal, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland) hätten die Zuwanderinnen die Geburtenziffern zwischen 1997 und 2006 um drei bis acht Prozent gesteigert.

Die Forscher des Max- Planck-Instituts für demografische Forschung halten auch die Familienpolitik für wichtig. Bedeutsam seien materielle Anreize zum Kinderkriegen sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten. Auch die Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen sei wesentlich.

Die bislang niedrigste Geburtenzahl in Deutschland hatte es 2006 gegeben, in dem Jahr kamen nur 672.724 Babys zur Welt. Die Einführung des Elterngelds vor drei Jahren brachte einen leichten Anstieg: 2007 wurden 684.862 Kinder geboren. Seitdem sind die Geburtenzahlen wieder rückläufig. Die bislang höchste Geburtenzahl seit dem Zweiten Weltkrieg wurde in ganz Deutschland 1964 mit 1.357.304 registriert - sie lag damit gut doppelt so hoch wie heute.

boj/AFP/dpa/ddp
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