Neue Haaranalyse Napoleon starb nicht an Arsen

Der Tod Napoleons beschäftigt die Franzosen noch immer: Fiel der Kaiser einem Giftanschlag zum Opfer? Mit einer neuen Haaranalyse will eine Zeitschrift jetzt die Mordtheorie widerlegt haben.


Kaiser Napoleon: Arsen in den Haaren
AP

Kaiser Napoleon: Arsen in den Haaren

Nachdem die Ergebnisse einer anderthalbjährigen Untersuchung vorliegen, ist sich die Zeitschrift "Science et Vie" sicher: "Napoleon wurde nicht ermordet!" Das Blatt hatte erneut Haare des Korsen analysieren lassen, jetzt glaubt es, alle Spekulationen um eine Arsenvergiftung beiseite wischen zu können. Vielmehr deute alles darauf hin, dass der Kaiser am 5. Mai 1821 im Exil auf der Atlantikinsel St.-Helena an Magenkrebs gestorben sei.

Vor allem die "Internationale Napoleon-Gesellschaft" des kanadischen Geschäftsmanns Ben Weider bemüht sich seit Jahren um den Nachweis, dass Napoleon einem Komplott zum Opfer gefallen sei. Ausgelöst wurden die Mordspekulationen durch Untersuchungen eines schwedischen Wissenschaftlers in den sechziger Jahren, berichtete "Science et Vie" in seiner am Dienstag erscheinenden Ausgabe.

Das Blatt bestritt nicht, dass in den Haaren erhöhte Arsenkonzentrationen festgestellt wurden - die von ihm in Auftrag gegebene Haaranalyse bestätige dies. Doch dürften daraus keine falschen Schlüsse gezogen werden. Denn es zeigten bereits zwei Haarproben Napoleons aus der Zeit vor seiner Verbannung erhöhte Werte. Das Gift sei zudem recht gleichmäßig im Haar verteilt gewesen.

An einigen Stellen registrierten die Experten den Angaben zufolge aber drastisch erhöhte und in jedem Fall tödliche Werte. "Wenn das Arsen die Todesursache gewesen wäre, hätte Napoleon drei Mal sterben müssen", zitierte "Science et Vie" den Leiter des Labors für Toxikologie der Pariser Polizei, Ivan Ricordel.

Wie die Zeitschrift argumentiert, ist das Arsen nicht über den Körper aufgenommen worden, sondern von außen an die Haare gelangt. Das lasse sich am plausibelsten damit erklären, dass das Gift im 19. Jahrhundert oft zur Konservierung von Haaren eingesetzt worden sei. Daher sei es nachvollziehbar, dass Arsen auch zur Bewahrung dieser "Reliquien" benutzt wurde.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.