Neue Höhlenfunde Frühe Menschen waren Strandliebhaber

Sommer, Sonne, Strand - schon vor 160.000 Jahren zog es den modernen Menschen ans Meer. Und der Fisch, den er dort als Nahrungsquelle für sich entdeckte, könnte ihm seinen Siegeszug über den ganzen Planeten erst möglich gemacht haben.

Die Menschheit zog es schon früh in ihrer Entwicklung ans Meer: Schon vor über 160.000 Jahren ernährten sich Menschen von Meerestieren, haben amerikanische Wissenschaftler bei Ausgrabungen in Südafrika herausgefunden. Damit hätte die Menschheit um 40.000 Jahre früher Fisch als Nahrungsquelle entdeckt, als man bislang glaubte. Der moderne Mensch entwickelte sich der gängigen Lehrmeinung nach vor 100.000 bis 200.000 Jahren im Süden Afrikas.

Die Forscher fanden in einer Höhle nahe der Stadt Mossel Bay an der Südküste Südafrikas über 160.000 Jahre alte steinzeitliche Werkzeuge sowie die Überreste verschiedener Krebs- und Weichtiere. Die damaligen Menschen ernährten sich somit von Meerestieren, folgerten die Forscher. Mit den Meerestieren als Nahrung war es den Menschen möglich, in einer Zeit zu überleben, in der das Klima in Afrika eher kühl und trocken und andere Ressourcen nicht mehr ausreichend vorhanden waren, schreiben die Forscher um Curtis Marean von der Arizona State University in Tempe im Fachmagazin "Nature" (Bd. 449, S. 905).

Die Ablagerungen in der Höhle zeigten außerdem, dass ihre früheren Bewohner Farbstoffe benutzten. Dabei bevorzugten die damaligen Menschen besonders rötliche Töne - vermutlich, um damit ihre Körper zu bemalen, erklären die Wissenschaftler.

Auswanderung geschah wohl entlang der Küsten

Ihre Funde zeigten wohl die früheste Nutzung der Meeresküsten durch den Menschen, schreiben die Forscher. Auch für die Verwendung von Pigmenten zur Körperbemalung und bestimmter steinzeitlicher Klingen gebe es keine älteren Hinweise. Die Besiedelung der Meeresküsten half den Menschen dabei nicht nur, dem harten Klima zu trotzen, betonen die Wissenschaftler. Auch die Auswanderung des Menschen aus Afrika geschah wohl entlang der Küsten.

"Küstengebiete brachten den ersten Menschen nichts, solange sie nicht gelernt hatten, das Meer als Nahrungsquelle zu nutzen", sagte die Studienleiterin Curtis Marean. Danach hätten sich die Menschen jedoch schneller ausbreiten können, da sie an den Küstenlinien - einer ständigen Nahrungsquelle - entlang wandern konnten. Anders als heute sahen unsere Vorfahren das Essen aus dem Meer jedoch nicht als Delikatesse, sondern als Notfall-Nahrung an, vermutet die Forscherin.

Dass der moderne Mensch bereits vor mehr als 160.000 Jahren seine Ernährungsweise umstellte und zudem Werkzeuge und Farbe zum Verzieren verwendete, deutet auf eine parallel dazu verlaufende Evolution des Verhaltens hin, schreiben die beiden Anthropologen Sally McBrearty und Chris Stringer in einem Kommentar ebenfalls in "Nature". Das lege wiederum nahe, dass der frühe Homo sapiens in Bezug auf seine geistigen Fähigkeiten dem heutigen Menschen bereits stark ähnelte und in der Lage war, aktiv neue und verbesserte Verhaltensweisen zu entwickeln.

lub/ddp/dpa

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